Das Internet ist voll von unzähligen Tipps und Regeln dazu, was du beachten solltest, um bei  deinem Schritt in die Selbstständigkeit erfolgreich zu sein. Wenn du ein Business aufbaust, solltest du bestimmten Schritten folgen: Es ist wichtig, deine Zielgruppe genau zu definieren, deine Nische zu kennen, ein Angebot zu haben, welches ein Problem löst. Du solltest deinen Wettbewerb kennen, einen guten Steuerberater haben und am besten ein bisschen Erspartes, von dem du am Anfang leben kannst.

Wirklich wichtige Punkte. 1000-fach beschrieben. Was ich jedoch nie lese, das sind die Fallstricke, die insbesondere Führungskräften auf dem Weg in die Selbstständigkeit zum Verhängnis werden können.

Unbekanntes Terrain: Selbstständigkeit

Führungskräfte bringen viele Voraussetzungen mit, die den Sprung ins Unternehmertum erleichtern können, doch es gibt auch die andere Seite der Medaille, die mitunter schwerer wiegt.

Mit der Entscheidung, sich selbstständig zu machen, betreten Führungskräfte eine Welt, die so ganz anders ist als alles, was sie aus ihrem früheren Umfeld kennen. Das ist wahrscheinlich jedem klar. Doch den Unterschied zwischen einem Manager und einem Unternehmer kann man gar nicht groß genug einschätzen. Ich kann es beurteilen, ich kenne beide Seiten. 😉

In diesem Bericht beschreibe ich nicht die offensichtlichen Stolpersteine, sondern die subtileren, derer sich Führungskräfte oft gar nicht bewusst sind.

  1. Du hast keine Klarheit über dich

Die meisten Gründer legen los, weil sie eine erfolgversprechende Geschäftsidee haben, ohne jedoch zu wissen, wer sie selbst sind und wo sie konkret hin wollen. Damit überspringen sie einen enorm wichtigen Schritt in die Selbstständigkeit. Unwissentlich, und gleichzeitig überzeugt, dass sie das Richtige tun, wenn sie die betriebswirtschaftlichen Faktoren gut vorbereiten.

So haben sie es immer gemacht. Das ist die Vorgehensweise in großen Unternehmen, wenn ein neues Projekt gestartet wird.

Wenn du dich selbstständig machen willst, reicht das nicht aus. Dich selbst sehr genau zu kennen, ist die Grundlage für dein Business. Daraus ergibt sich die Nische, mit der du am besten arbeiten kannst und darauf basiert dein einzigartiges Angebot. Wenn du deine Persönlichkeit nicht berücksichtigst, fehlt deinem Geschäft das Fundament. Es wird sehr fragil und läuft Gefahr, beim ersten Gegenwind einzustürzen wie ein Kartenhaus.

  1. Du glaubst immer noch, Kunden kaufen Leistungen

So wie leider alle großen Unternehmen das immer noch glauben. Aber Kunden wollen kein Produkt und keinen Service kaufen. Kunden wollen ein Produkt oder einen Service nutzen, um ein Problem zu lösen.

Wenn Menschen Schwierigkeiten haben, dann suchen sie eine Lösung. Und exakt zu diesem Zeitpunkt musst du diese Lösung parat haben. Oder, um es mit den Worten von Harvard-Professor Theodore Levitt zu sagen: Kunden wollen keinen Bohrer kaufen, sie wollen ein Loch in der Wand haben.

Stattdessen werden aber nach wie vor überall Bohrer verkauft, bzw. Trainings, Marketing, Coaching, Webseiten, IT-Services,…

  1. Du siehst die tatsächlichen Markt-Chancen für deine Selbstständigkeit nicht

Viele Führungskräfte schrecken vor einer Selbstständigkeit zurück, weil sie sich nicht vorstellen können, wie sie ihre Expertise so einsetzen, dass sie damit ein eigenes Business aufbauen können. Sie sind der Meinung, entweder über zu einseitiges oder zu generalistisches oder zu fachspezifisches Know-how zu verfügen, das sich in einer Selbstständigkeit nicht verkaufen lässt.

Sie suchen ihre Geschäftsideen in ihnen bekannten Modellen und sind nicht kreativ bzw. offen genug, neue Dinge zu entwickeln. Sie denken in sehr engen, traditionellen Bahnen. In den Business-Profilen der letzten Jahrzehnte. Die Welt hat sich verändert. Es gibt heute unendlich viele Möglichkeiten – wenn du über den Tellerrand hinaus schaust und anfängst, neu zu kombinieren, was du schon mitbringst. Und wenn du  vor allem über Lösungen von echten Kundenproblemen nachdenkst (siehe Punkt 2).

  1. Du unterschätzt die Bedeutung von Branding und Positionierung

In der heutigen, transparenten Online-Welt ist es ein Must, sich durch eine Marke und eine glasklare Positionierung abzugrenzen. Ich höre oft: Ja, aber das was ich machen will, machen doch schon so viele andere. Eben! Aber nicht auf die gleiche Art wie du.

Genau hier kommt es darauf an, eine Marke zu entwickeln. Branding, das ist nicht nur was für „die Großen“. Nein, gerade auch für Einzelunternehmer steht und fällt der Erfolg nicht damit, wie gut du tatsächlich bist. Diejenigen, die das Rennen machen, sind oft nicht die besseren, sondern die besser wahrgenommenen. Die Wahrnehmung bei deinen Wunschkunden ist der entscheidende Punkt.

Und dazu musst du deine Marke auch leben. Anders als bei den meisten großen Unternehmen darf sich das nicht auf „schöne bunte Bilder“ und auf das Marketing beschränken. Es reicht nicht, so auszusehen, du musst so SEIN. Du stehst jetzt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Du arbeitest nicht im Unternehmen, du BIST das Unternehmen. Deshalb solltest du dein persönliches Image sorgfältig managen und auch LEBEN. Ob du das nun magst oder nicht: Übergewichtige, müde, nachlässige Menschen, die nicht auf sich selbst achten, gewinnen das Vertrauen ihrer Kunden nicht.

  1. Du hast keinen Spaß am Lernen

In ihrem „Corporate Life“ sind viele Menschen so beschäftigt mit ihren Aufgaben, so stark gefordert in ihrem Job und so sattelfest in ihrem Bereich, dass sie Weiterbildung jahrelang vernachlässigen. Weil sie weder die Zeit noch den Bedarf dafür haben.

Die Haltung „Das weiß ich schon alles“ gefährdet deinen Erfolg. Dieser Punkt wirkt sich nicht nur auf deine Kompetenz in deinem neuen Umfeld aus, sondern auch auf deine Marke (siehe 4.). Menschen, die die aktuellen Trends nicht kennen und seit dem Studium kein Fachbuch mehr gelesen haben, stellen etwas anderes dar als Menschen, die intellektuell neugierig sind.

Du musst dich darauf einstellen, dass du VIEL lernen musst. Weit über dein Fachgebiet hinaus.

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  1. Du kennst dich mit modernem Marketing nicht aus

Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig Marketing-Wissen bei Führungskräften vorhanden ist. Und wie groß die Scheu davor ist. Die einen behandeln Marketing wie ein Buch mit 7 Siegeln, die anderen als lästiges Übel, weil sie doch eigentlich nur Interesse daran haben, ihren fachliches Know-how, ihre Leistungen und Produkte zu verkaufen.

Aber Marketing in der Selbstständigkeit ist keine Abteilung und kann nicht delegiert werden. Du selbst, als UnternehmerIn, musst es verstehen. Freunde dich mit dem Thema an, denn du wirst nicht drum herum kommen. Die gute Botschaft: Es ist kein Hexenwerk. Zugegeben, es ändert sich rasend schnell und deshalb brauchst du regelmäßige Updates, das heißt du musst auch hier lernen. Deshalb brauchst du auch nicht auf der kompletten Klaviatur zu spielen, sondern nur die Maßnahmen einsetzen, die für dein Business passend sind.

  1. Du entwickelst Strategien und setzt sie nicht um

Du steckst fest in deiner Perfektion. Die meisten Führungskräfte haben gelernt, sich einem Thema mittels Strategie und Planung zu nähern. Konzepte erstellen, Ziele definieren, Ergebnisse prognostizieren, Maßnahmen planen, Fristen terminieren, Kosten berechnen, so lange bis die Geschäftsleitung, das Steering Committee oder wer auch immer, das Projekt genehmigt.

Das läuft in deiner Selbstständigkeit ganz anders. Die letzten 20 % sieht und schätzt keiner. Deshalb machst du nicht mehr Geschäft. Aber dass du dafür zu lange gebraucht hast, das wirkt sich aus.

Noch ein Punkt: Den operativen Part erledigt „der Chef“ nicht selbst, dafür hat er ein Team – im großen Unternehmen. Jetzt aber bist du selbst dafür zuständig, dass die Dinge geschehen. Du musst die Kopien selbst machen.

Die operativen Fähigkeiten, die es erfordert, ein kleines Unternehmen aufzubauen sind völlig unterschiedlich zu denen, die du brauchst, um eine Karriere in einem großen Unternehmen zu managen.

Es ist nicht einfach, diese Herangehensweise umzustellen. Strategie und Planung zu reduzieren und den Schwerpunkt auf die Umsetzung zu legen. Dinge auszuprobieren, durch Prototypen und Tests viel schneller zum Ziel zu kommen und Fehler als Schritte zum Erfolg zu sehen. Und nicht zu früh zu delegieren, sondern erst mal selber machen.

  1. Du hast dich selbst nicht im Griff

In der Selbstständigkeit musst du in der Regel kein Team mehr managen, dafür aber dich selbst. Den Job mit dem Team kannst du, aber plötzlich mit dir und deinen Schwächen – mit denen du bis dato vielleicht gar nicht konfrontiert warst – klar zu kommen, das ist eine Herausforderung der ganz anderen Art. Darüber denken die meisten vorher niemals nach.

Zum Verhängnis können dir vor allem deine Ängste werden. Ängste haben alle, auch erfolgreiche Unternehmer. Dein Erfolg in der Selbstständigkeit steht und fällt damit, wie du damit umgehen kannst.

Vielen Führungskräften fehlt nach dem Schritt aus dem Angestelltenjob auch das Umfeld. Die definierten und Sicherheit gebenden Strukturen sind nicht mehr da. Du musst einen eigenen Rhythmus finden, deinen Tagesablauf selbst gestalten und dich selbst vorantreiben, denn dein Terminkalender füllt sich nicht mehr von alleine.

Für viele ist der Verlust von Prestige und Bedeutung schwer zu verdauen. Du arbeitest jetzt vielleicht den ganzen Tag allein. Vorher wahnsinnig gefragt, ruft dich plötzlich keiner mehr an. Du musst damit leben, nicht mehr „wichtig“ zu sein.

  1. Dir fehlen die Beziehungen und du unterschätzt Networking

Viele Angestellte, die ich kennen lerne, vernachlässigen ihr Netzwerk. Sie brauchen es schlichtweg nicht. Sie kennen die Personen, die im Unternehmenskontext für sie wichtig sind, that’s it. Sie halten es für Zeitverschwendung, Menschen kennen zu lernen, die sie nicht „brauchen“. Häufig finden sie Networking nicht nur überflüssig, sondern sogar furchtbar unangenehm.

Aber nichts geschieht ohne Beziehungen zwischen Menschen. Kein Gespräch, kein Meeting, kein Rat, kein Angebot, kein Auftrag. Wenn du dich selbstständig machst, ist dein Netzwerk Gold wert. Du hast einen so viel leichteren Start, wenn du Menschen kennst, an die du dich wenden kannst. Häufig braucht es nur einen einzigen Kontakt, der den entscheidenden Anstoß für deinen Erfolg gibt. Deshalb nimm dir die Zeit, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.

  1. Du bist nicht zuverlässig

Führungskräfte sind nicht immer zuverlässig. Mit den Jahren schleicht sich bei vielen z.B. die Gewohnheit ein, dass sie tagelang auf E-Mails nicht antworten, ihre Mailbox nicht abhören, Termine verschieben. In vielen Unternehmen ist das Usus.

Andere haben ihre Mitarbeiter, die sich um diese Dinge kümmern und sind deshalb überfordert, wenn diese Anfragen in der Selbstständigkeit plötzlich von ihnen selbst bearbeitet werden müssen.

Du kennst mit Sicherheit auch die andere Seite, wenn du von einem Unternehmen, das du als Privatperson kontaktierst, tagelang keine Rückmeldung erhältst.

Was macht das für einen Eindruck? Ich fühle mich nicht wertgeschätzt oder – wenn ich Hilfe bei einem Problem brauche – sogar im Stich gelassen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Geld Unternehmen durch Unzuverlässigkeit durch die Lappen geht.

Vergiss übrigens den Gedanken, dass eine umgehende Antwort den Eindruck machen könnte, dass du kein Geschäft hast und verzweifelt nach Aufträgen suchst. Es macht den Eindruck, dass du dich verantwortlich fühlst und dich kümmerst.

  1. Du bist nicht authentisch und zu weit weg von deiner Zielgruppe

Viele Führungskräfte sind unnahbar und intransparent. Zu viel Transparenz und Ehrlichkeit kann dich in Schwierigkeiten bringen. Deshalb halten sich da viele sehr bedeckt. Zugeben, dass man am Anfang steht, Fragen stellen, sich mit Zielgruppe und Partnern auf eine Ebene stellen, ist für sie ausgeschlossen.

Genau das macht dich aber menschlich und sympathisch. B-to-B und B-to-C haben ausgedient. Die neue Klassifizierung heißt B-to-P: „Business to People“. So positionierst du dich bei deinen Kunden.

Und wenn du offen bist und nicht nur darüber erzählst, wie erfolgreich du bist, sondern auch mal was nicht funktioniert, dann verlierst du nicht dein Gesicht, sondern gewinnst Unterstützer und Gleichgesinnte.

  1. Du fragst nicht um Rat

Ein weiterer Fallstrick ist die Erwartung an sich selbst, alles wissen zu müssen. Viele Führungskräfte tun sich schwer damit, um Hilfe zu bitten. Und gerade „Coaching“ weckt bei vielen negative Assoziationen.

Sie gehen lieber den langen, mühsamen Weg und nehmen jedes Hindernis mit, anstatt sich einen Berater oder einen Coach zu gönnen, der die Abkürzung kennt. So wie das z.B. im Profisport Gang und Gäbe ist.

Ohne Unterstützung kann es ein sehr langwieriges Unterfangen werden, erfolgreich zu sein. Es ist keine Überraschung, wenn so mancher vor dem Ziel aufgibt.

Erkennst du dich in einem dieser Punkte wieder?

Die Wahrheit ist, dass du, wenn du auch nur einen dieser Fehler machst, entweder den Schritt aus dem Hamsterrad gar nicht erst machen wirst oder aber das Risiko hoch ist, mit deiner Selbstständigkeit nicht erfolgreich zu werden.

Ein Business zu gründen, kann sehr aufregend, dankbar und erfüllend sein – sowohl persönlich als auch beruflich. Ja, du brauchst bestimmte Bausteine und Schritte. Aber darüber hinaus musst du die selbstsabotierenden Verhaltensweisen und Einstellungen ablegen, die deine Neuorientierung von der Führungskraft zur UnternehmerIn gefährden.

Ergänzung zu Punkt 12

Ich kenne einen Coach und Consultant, der sich mit diesen Themen auskennt, weil er den Weg selbst gegangen ist. Vielleicht magst du einfach mal ein unverbindliches Strategie-Gespräch mit ihm führen.

Ja, mir mir! 😉

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Photo by Sabine Votteler