“Endlich hatte ich mal wieder Zeit, mich meinem kreativen Hobby zu widmen”, erzählte mir neulich ein Kunde. “Dabei ist mir eines ganz klar geworden: Dass mir in meinem Job deutlich was fehlt! Ich wusste schon gar nicht mehr wie es ist, wenn man etwas mit Spaß und Freude tut.“

„Ich muss da sofort raus!“ Damit meinte er, dass er sein Anstellungsverhältnis kündigen müsse. Er stellte mir die Frage, die viele bewegt: Was ist deine Empfehlung: Erst mal nebenberuflich selbstständig machen oder direkt kündigen? Was ist da besser?

Meine Antwort dazu: Kommt drauf an…

1. Wie dringend ist die Kündigung?

Stelle dir eine Skala von 1 – 10 vor. Die „Job-Pain-Skala“. Die Job-Pain-Skala ist ein schneller Indikator, wie kurzfristig du deine Kündigung planen solltest bzw. wie viel Zeit du dir dabei lassen kannst.

1 ist das untere Ende der Skala und zeigt eine sehr geringe Pain (Schmerz) an, 10 das obere.

Überlege, wo auf der Skala du stehst.

Die „Lässt sich aushalten“-Zone reicht von 1 bis 4 auf der Skala.

In dieser bewegst du dich, wenn dein Job nicht völlig deinen Fähigkeiten entspricht, wenn du deine Kenntnisse und Erfahrungen nicht zu 100 % einsetzen kannst, wenn du nicht mit jedem aus der Firma ein Bier trinken gehen willst. Wenn es jedoch viele Dinge gibt, die du an deinem Job magst. Ein gutes Indiz ist auch, wenn du dir durchaus vorstellen kannst, noch 1 – 2 Jahre in dieser Anstellung zu bleiben.

In dieser Situation kannst du meistens relativ entspannt nebenbei in die Selbstständigkeit starten bzw. deine Selbstständigkeit vorbereiten. Natürlich dürfen die Vereinbarungen mit deinem Arbeitgeber nicht dagegensprechen und du solltest unbedingt darauf achten, dass deine Teilzeitselbstständigkeit deine Arbeitsleistung im Unternehmen nicht gefährdet.

Die Gefahr für DICH in dieser Zone ist, dass du es dir darin auch schön bequem einrichten kannst und ggf. die Kündigung dann nie durchziehst.

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Die „Wirklich anstrengend“-Zone reicht von 5 bis 8 auf der Skala.

Hier befindest du dich, wenn es viele und/oder schwerwiegende Dinge gibt, die dich an deinem Job stören. Wenn du deinen Job z.B. überhaupt nicht magst, wenn deine Werte nicht erfüllt werden, wenn die Firmenkultur nicht zu dir passt, wenn du dein Potenzial überhaupt nicht leben und deine eigenen Ziele nicht erreichen kannst. Wenn du dich mit deinem Chef überhaupt nicht verstehst oder wenn du so viel arbeitest, dass es dein Leben negativ beeinträchtigt.

Du bemerkst, dass deine Energie nachlässt, dass du dich häufig genervt, gestresst oder gelangweilt fühlst.

Wenn du in dieser Zone bist, dann kannst du nebenberuflich starten, sofern du ausreichend Energie und Zeit neben deinem Job hast. Du solltest deine nebenberufliche Selbstständigkeit allerdings ernsthaft vorantreiben, denn kleine Veränderungen können dich ruck zuck in die „Nix-wie-weg-Zone“ befördern.

Die „Nix wie weg“-Zone reicht von 9 bis 10 auf der Skala.

Wenn du in dieser Zone bist, dann fühlst du dich regelrecht krank, wenn du in die Firma musst. Du hast keine Energie, deine Konzentration lässt nach, du leidest unter Stresssymptomen wie Schlaflosigkeit, häufige Krankheiten bis hin zu Depression und Angstzuständen.

Du fühlst dich im Unternehmen als Außenseiter, kannst die Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen oder unterstützen, hast häufig Probleme mit Kollegen und Mitarbeitern. Deine Leistungsfähigkeit lässt nach. Du kämpfst mit deinem Selbstwert. Du stellst fest, dass du nicht der Mensch bist, der du mal warst.

Wenn es so weit ist, dann ist meistens der beste Weg, zu kündigen. Das Problem ist, dass dir sehr wahrscheinlich die Zeit, aber noch viel schlimmer die Kraft und die Lust fehlt, dich nebenbei mit einer Selbstständigkeit zu beschäftigen, denn dein ungeliebter Job kostet dich sämtliche Energie, so dass du selbst an deinen Lieblingsthemen keinen richtigen Spaß mehr hast.

Jetzt läufst du auch echt Gefahr, dass du möglicherweise durch Einwirkungen aus dem Rennen geworfen wirst, die du nicht in der Hand hast. Dass du entweder richtig krank oder gekündigt wirst.

2. Wie reif sind deine Pläne für die Selbstständigkeit?

Wenn du noch ganz am Anfang stehst, dann macht es Sinn, zumindest die Ideen, das Konzept und die Vorbereitung als nebenberufliches Projekt zu starten. Wenn du erst herausfinden möchtest, ob Selbstständigkeit für dich überhaupt das Richtige ist und ob deine Geschäftsidee tragfähig ist. So lange du die Sicherheit deines Einkommens hast, hast du alle Zeit, dein Vorhaben zu testen und anzupassen.

Auf der anderen Seite bitte aufpassen, denn du kannst dich auch schnell überfordern, wenn dir das Projekt über den Kopf wächst.

3. Wie dick ist dein finanzielles Polster?

Was sagen die Finanzen? Was brauchst du als Minimum zum Leben und wie viele Monate kommst du im äußersten Fall auch ohne Einnahmen über die Runden? An welchen Stellen kannst du Ausgaben reduzieren und wodurch ggf. Nebeneinnahmen generieren?  Erlaubt dir deine Situation, auf das regelmäßige Gehalt zu verzichten? Dies führt mich zum nächsten Punkt…

4. Jobwechsel als Übergangslösung

Ich habe Kunden, die sich für diesen Weg entscheiden. Sie kündigen ihr Arbeitsverhältnis, weil eine parallele Selbstständigkeit in Kombination mit diesem Job nicht funktioniert und suchen sich eine neue Stelle, entweder in Teilzeit oder mit mehr Freiraum, so dass sie die Möglichkeit haben, sich gleichzeitig selbstständig zu machen.

Eine durchaus gangbare Lösung, wenn du dir, egal aus welchen Gründen, beim Ausstieg aus der Festanstellung länger Zeit lassen möchtest, jedoch gleichzeitig nicht in deinem bisherigen Job bleiben kannst.

Für und Wider der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Welche Alternative du vorziehst, hängt also ganz von den Umständen ab.

Eine nebenberufliche Selbstständigkeit gibt dir einen gewissen Spielraum, was Zeit und finanzielle Mittel angeht, und damit Sicherheit

Direkt voll durchstarten bedeutet auf der anderen Seite mehr Fokus, mehr Zeit, mehr Energie und damit schnelleres Vorankommen mit deinem eigenen Baby.

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Photo by Jeshoots on unsplash