Ein beruflicher Umbruch ohne Krise wirkt auf viele Menschen irritierend. Warum so ein Risiko, wenn es gar nicht nötig ist? Kein Burnout. Keine Kündigung. Kein Zusammenbruch.
In meinem Podcast war kürzlich Kenneth Simon zu Gast. Seine Geschichte zeigt sehr deutlich, dass berufliche Veränderungen nicht immer aus Überforderung, sondern manchmal aus innerer Klarheit entstehen – aus dem Gefühl: Ich kann das besser.
Höre die Podcast-Episode hier:
Beruflicher Umbruch ohne Krise: Ein unterschätztes Übergangsmodell
Viele Menschen verbinden berufliche Neuorientierung in der Lebensmitte mit einem dramatischen Einschnitt. Mit dem Punkt, an dem es nicht mehr geht.
Ohne sichtbare, dramatische Zeichen und ohne äußeren Druck, wird das Bedürfnis nach Neuorientierung oft übersehen oder bagatellisiert. Vielen fehlt die Legitimation, den eigenen Veränderungswunsch ernst zu nehmen.
Doch ein beruflicher Umbruch ohne Krise folgt einer anderen Logik.
Er entsteht nicht aus Aktionismus oder akuter Not, sondern aus Beobachtung. Aus dem wiederholten Abgleich zwischen dem, was man tut, und dem, was einen wirklich zufrieden macht, und aus dem zunehmenden Wissen, dass man seine Kompetenz inzwischen anders einsetzen könnte.
Hier kannst du die Folge als Video anschauen:
Umbruch ohne Drama
Kenneth war viele Jahre in großen Unternehmen tätig.
Nach dem Biologiestudium und einem nebenberuflichen BWL-Studium ging er in den Vertrieb, war später in zentralen Funktionen und in der Führung. Er hatte eine stabile Karriere aufgebaut, war anerkannt und gut verankert.
Und trotzdem kam irgendwann dieser Moment, den viele kennen und schwer benennen können. Weil er so unscheinbar ist, aber dennoch nicht übersehen werden kann.
Die Realisierung, die nicht laut oder panisch daherkommt, sondern ganz nüchtern: Es macht einfach keinen Spaß mehr.
„Es macht keinen Spaß mehr“ – der eigentliche Wendepunkt
Der entscheidende Satz fiel nicht etwa im Büro. Er hatte nichts zu tun mit einer beruflichen Auseinandersetzung oder Enttäuschung. Er kam bei Kenneth wie aus dem Nichts und ausgerechnet im Urlaub, im Gespräch mit seiner Frau.
Nicht als Impuls, vor einer Situation wegzulaufen, sondern als schlichte Erkenntnis: Es passt nicht mehr.
Das ist ein zentraler Unterschied. Ein beruflicher Umbruch ohne Krise beginnt nicht mit Erschöpfung, sondern mit Klarheit. Und diese Klarheit braucht keine Rechtfertigung durch Leid. Auch wenn sich mancher denkt: Aber das ist doch kein Grund! Das ist Klagen auf hohem Niveau und schließlich gibt es immer Dinge, die keinen Spaß machen.
Entscheidungen waren bei Kenneth nie impulsiv, aber klar
Was sich durch Kenneths gesamte Laufbahn zieht, ist ein deutliches Muster:
Er merkt, dass etwas nicht mehr stimmig ist und bügelt weder darüber hinweg, noch entscheidet er leichtfertig. Stattdessen schaut er sich das bewusst an, spricht es an, wartet ab, ob sich etwas verändert. Erst dann trifft er eine Entscheidung. Konsequent.
Das war so bei seinem Ausstieg aus der wissenschaftlichen Laufbahn, beim Wechsel vom Vertrieb in zentrale Funktionen, beim Schritt in die Führung, beim Firmenwechsel, beim Ausstieg aus der Anstellung, bei der Fokussierung nach der Gründung.
Es gibt weder impulsive Brüche, noch Davonlaufen. Keine Krise, kein Drama, nicht spektakulär, aber konsequent.
Was an diesem Muster auffällt, ist der Zeitpunkt seiner Entscheidungen. Kenneth wartet nicht, bis etwas eskaliert. Er entscheidet, sobald er merkt, dass seine Energie an der falschen Stelle gebunden ist.
Für viele Menschen ist genau das schwierig. Sie gehen über ihre Grenzen, weil das Leid noch nicht groß genug zu sein scheint. Erst wenn es wirklich schlimm wird, fühlen sie sich berechtigt zu gehen.
Kenneths Weg zeigt eine andere Logik: Nicht der Schmerz ist der Auslöser, sondern die innere Klarheit. Und die spüren wir oft früher, als wir uns erlauben, sie ernst zu nehmen.
Kluge Selbstführung: Beenden statt abbrechen
Ein weiterer roter Faden in Kenneths Geschichte ist der Umgang mit Übergängen.
Er beendet Dinge. Er bricht sie nicht ab.
- Die Promotion wird abgeschlossen, obwohl klar ist, dass der Weg woanders hinführt.
- Die nebenberufliche Selbstständigkeit wird bewusst begrenzt.
- Das Thema Nachhaltigkeit wird getestet und später wieder verlassen.
- Akquisewege werden ausprobiert und dann eingestellt.
Das Muster dahinter ist klar: Ich probiere und ziehe dann eine saubere Konsequenz.
Und genau dieses konsequente Zu-Ende-Bringen ist keine Nebensache und auch kein unnötiges Aussitzen, sondern eine wertvolle innere Haltung.
Viele Menschen in beruflichen Übergängen haben das Gefühl, ständig etwas Neues zu beginnen und wieder „hinzuschmeißen“. Sie tragen offene Schleifen und Schubladen mit sich herum, innerlich wie äußerlich. Das kostet Energie und untergräbt das Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit.
Kenneth geht einen anderen Weg.
Er beendet Dinge bewusst, auch dann, wenn sie nicht mehr Teil seiner Zukunft sind.
Was er bewusst nicht weiß: Es hilft ihm in der Veränderung, denn genau dieses Beenden macht den nächsten Schritt überhaupt erst möglich.
Ein sauberer Abschluss ist kein Rückschritt und keine Zeitverschwendung. Er ist oft die Voraussetzung dafür, etwas Neues ohne inneres Chaos beginnen zu können.
Selbstständig werden ohne Kündigung: Warum dieser Weg oft tragfähiger ist
Kenneth startete nicht kopflos in die Selbstständigkeit.
Er baute sie nebenberuflich auf und zwar als Projekt.
Mit klaren zeitlichen Grenzen, mit Abstimmung im Umfeld und mit der Bereitschaft zu lernen, um irgendwann zu entscheiden, ob das Projekt verlängert und ausgebaut wird.
Er spricht nicht davon „einen Traum zu verwirklichen“ oder „endlich frei zu sein“.
Er spricht über „mal ausprobieren, wie das geht und wie sich das so anfühlt“. Testen, Prüfen, Anpassen und dann weitersehen.
Für viele ist genau das der realistischste Weg in einen beruflichen Umbruch ohne Krise.
Warum Klarheit fast immer durch Tun entsteht
Klarheit entsteht nicht durch Grübeln oder perfekte Planung, sondern durch gelebte Erfahrung. Das zeigt sich auch an Kenneths Weg immer wieder.
Er beließ es nicht bei einer Coaching-Ausbildung, die er schon vor Jahren gemacht hatte, sondern wandte das Wissen an.
Er startete eine nebenberufliche Selbstständigkeit, um ganz real zu erleben, wie es mit der Akquise lief und wieviel Spaß ihm das machte.
Er begann seine Selbstständigkeit in seinem Interessengebiet „Nachhaltigkeit“, um sich nach einigen Monaten neu auszurichten, weil der Markt ihm zeigte, was für ihn der bessere Weg ist.
Er steckte viel Energie und Zeit in einen Akquisekanal, um zu merken, dass das nicht funktionierte und wieder etwas anderes zu machen.
Solche Lernschleifen sind im beruflichen Umbruch und auch beim Aufbau einer Selbstständigkeit normal und sogar notwendig. Die Theorie allein zeigt nicht, was für DICH funktioniert.
Beruflicher Umbruch in der Lebensmitte: Wenn Erfahrung trägt
Besonders interessant und wohltuend finde ich Kenneths Blick auf das Alter.
Er sagt klar, dass er mit 30 oder 35 hätte diesen Schritt in die Selbstständigkeit viel schwieriger gefunden.
Heute bringt er Dinge mit, die vieles erleichtern:
Zum einen ein finanzieller Puffer, den er sich im Lauf seiner Angestelltentätigkeit ansparen konnte. Und zum anderen die Jahrzehnte an Erfahrung in komplexen Organisationen, die ihn gegenüber seinen Kunden glaubwürdig machen. Er kann ihnen auf Augenhöhe und mit großer Gelassenheit begegnen, weil er ihre Situation kennt. Das wäre mit Mitte 30 unmöglich gewesen.
So sehe ich das bei mir und bei vielen meiner Kunden auch: Ein beruflicher Umbruch in der Lebensmitte ist keine Schwäche, sondern eine Reifeleistung.
Was du aus Kenneths Geschichte lernen kannst
Betrachtet man Kenneths Weg im Rückblick, entsteht kein typisches Bild eines Neuanfangs, sondern eher der Eindruck von zunehmender Klarheit.
Seine Entscheidungen wirken nicht mutig, sondern ganz einfach folgerichtig.
Nicht, weil er immer direkt wusste, wohin er will, sondern weil er ernst genommen hat, was sich immer wieder gezeigt hat. Er trifft viele kleine, stimmige Entscheidungen über Jahre hinweg.
Klarheit zeigt sich oft darin, was sich immer wieder meldet, nicht in einem plötzlichen Aha-Moment. Ein beruflicher Umbruch ohne Krise ist deshalb selten ein Sprung ins Unbekannte. Und oft keine Neuerfindung, sondern eine Verdichtung dessen, was sich über Jahre gezeigt hat.
Vielleicht lohnt es sich, wenn du mal schaust, was das bei dir ist.
Und wenn du deine Muster nicht alleine erkennst, dann ist das nicht ungewöhnlich und auch kein Beinbruch. Gerade diese Muster erkennt man bei sich selbst oft erst im Rückblick – oder im Gespräch. Buche dir einfach ein kostenloses Strategiegespräch mit mir und wir schauen gemeinsam darauf.
Fazit: Manche gehen nicht, weil sie müssen, sondern weil sie es können
Nicht jeder berufliche Umbruch beginnt mit einer Krise. Mancher beginnt mit einem ruhigen, klaren Gefühl, einer Erkenntnis, einer Entscheidung.
Ich kann das besser. Und ich möchte es außerhalb des bisherigen Rahmens tun.
Diese Form der Veränderung ist weniger sichtbar, aber sie ist oft nachhaltiger und ehrlicher.
Du kannst Kenneth Simon hier finden:
- https://www.kennethsimon.de/
- https://www.linkedin.com/in/dr-kenneth-simon/
- https://www.youtube.com/@drkennethsimon
Warum „Let’s talk about“?
Ich habe diese Interview-Reihe ins Leben gerufen, weil ich weiß, dass es eine ordentliche Portion Mut erfordert, beruflich neu anzufangen – egal ob in die Selbstständigkeit oder in einen ganz neuen Job. Und weil ich weiß, dass Vorbilder und Gleichgesinnte ein ganz wichtiger Schlüssel zum Erfolg sind.
Sie zeigen, dass es funktioniert. Dass nicht immer alles glattläuft. Dass Erfolg nicht über Nacht kommt. Dass jeder Hürden überwinden muss. Und sie erzählen, wie SIE es gemacht haben, mit all ihren Ängsten, Misserfolgen und ganz persönlichen Erfolgsrezepten.
Wenn sie es geschafft haben, dann schaffst du es auch!
Häufig gestellte Fragen
Wann macht es Sinn, sich beruflich zu verändern – auch ohne Krise?
Ein beruflicher Umbruch, obwohl du nicht in einer sprichwörtlichen Krise steckst, macht dann Sinn, wenn sich über längere Zeit zeigt, dass du dein Können, deine Erfahrung und deine Energie nicht mehr dort einsetzen kannst, wo sie sinnvoll wirken. Nicht als spontaner Impuls, sondern als wiederkehrende innere Klarheit. Wenn Gedanken an Veränderung nicht aus Frust entstehen, sondern regelmäßig auftauchen und sich sachlich anfühlen, lohnt es sich, diesen Impuls ernst zu nehmen.
Braucht ein beruflicher Umbruch immer eine Krise als Auslöser?
Nein. Viele berufliche Veränderungen entstehen nicht aus Überforderung, sondern aus Reife. Wer über Jahre Verantwortung getragen, Erfahrungen gesammelt und sich weiterentwickelt hat, merkt manchmal schlicht, dass der bisherige Rahmen zu eng geworden ist. Eine Krise ist kein notwendiger Beweis dafür, dass Veränderung berechtigt ist. Es „darf“ auch sein, wenn nichts Schlimmes passiert ist.
Woran erkenne ich, dass es mehr ist als eine vorübergehende Unzufriedenheit?
Vorübergehende Unzufriedenheit ist meist situationsabhängig und vergeht wieder. Ein beruflicher Umbruch ohne Krise kündigt sich anders an: durch ein dauerhaftes Gefühl von innerer Distanz, durch das wiederholte Nachdenken über Alternativen und durch die Erkenntnis, dass sich die eigene Perspektive verändert hat auch wenn im Außen alles stabil wirkt.
Muss ein beruflicher Umbruch ohne Krise ein kompletter Neuanfang sein?
Nein. In vielen Fällen ist er kein radikaler Neuanfang, sondern eine Verdichtung. Fähigkeiten, Interessen und Erfahrungen, die schon lange da sind, rücken stärker in den Mittelpunkt. Der Schritt führt dann nicht weg von der bisherigen Geschichte, sondern konsequent aus ihr heraus weiter.



