Interner Jobwechsel mit 50+: Neuaufstellung ohne zu kündigen

Interner Jobwechsel mit 50+: Strategische Neuaufstellung ohne zu kündigen


Ein interner Jobwechsel mit 50+ klingt erstmal unspektakulär. Kein Drama, keine Neuanfangs-Story und keine inspirierende Gründergeschichte. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum so wenige diesen Weg auf dem Schirm haben.

In meiner aktuellen Podcastepisode spreche ich mit Joachim Zdzieblo, der genau das gemacht hat. Mit 53 ist er intern gewechselt, und zwar nicht in eine ähnliche Funktion, sondern komplett quer: von der Marketingkommunikation eines Chemieunternehmens ins operative Projektmanagement. Und es hat funktioniert, obwohl er kein Chemiker oder Ingenieur ist und null Branchenerfahrung hatte.

Höre die Podcast-Episode hier: 

 

Aber erstmal kurz zu dir…

Du denkst vielleicht seit Monaten darüber nach, ob du noch am richtigen Platz bist. Du verantwortest deinen Bereich, lieferst Ergebnisse und funktionierst, aber innerlich bist du nicht mehr richtig „dabei“. Vielleicht hast du dich sogar schon beworben, auf eine ähnliche Position, aber eher halbherzig. Wäre halt dasselbe in Grün…

Oder du hast noch nichts gemacht, weil dich der bloße Gedanke an das Bewerbungsprozedere abschreckt. Du ahnst schon, dass das in deinem Alter trotz Titel und Erfahrung nicht einfach werden könnte.

Vielleicht erlebst du das auch gerade ganz konkret und am eigenen Leib: viele Bewerbungen und keine Reaktion.

Die meisten Menschen in dieser Situation denken in zwei Optionen: bleiben und aushalten oder gehen und das Risiko aus sich nehmen. Sie übersehen dabei eine dritte Möglichkeit: den internen Wechsel. Nicht als Notlösung oder Seitwärtsbewegung, sondern als echte Neuaufstellung.

 

Interner Jobwechsel mit 50+: Der unterschätzte Weg

Ich erlebe es häufig in meiner Arbeit: Da sitzt jemand vor mir, seit Monaten unzufrieden und im Grübelmodus, und erzählt mir, dass es nur zwei Optionen gibt. Weitermachen oder kündigen. Und beides geht nicht: Bleiben macht dich fertig, gehen ist zu riskant.

Den eigenen Arbeitgeber als Spielfeld für eine Neuorientierung zu nutzen, darauf kommen die wenigsten. Zu schnell denkt man: „Intern gibt’s nichts für mich.“ Außerdem kann man ja nur das, was man in der Firma schon jahrelang ist. Wo an anderer Stelle sollte man da auch hinpassen?

Genau das ist der Denkfehler. Du passt auch in andere Funktionen – wenn deine übertragbaren Fähigkeiten passen.

Ein interner Jobwechsel mit 50+ ist nicht dasselbe wie eine Beförderung oder ein Teamwechsel innerhalb derselben Funktion. Es kann ein kompletter Neuanfang sein, mit dem Vorteil, dass du die Kultur kennst, das Netzwerk hast und nicht durch den Bewerbungsmarathon musst, der gerade für Ü50 oft zermürbend ist.

Hier kannst du die Folge als Video anschauen: 

Berufliche Neuorientierung mit 50+ | Interner Jobwechsel statt Kündigung

 

Wie Joachim mit 53 intern komplett neu anfing

Joachim war über ein Jahrzehnt Leiter Marketingkommunikation und Events in einem großen Chemieunternehmen. Er baute die Abteilung mit einem Team von 10 Leuten auf, die er führte. Dann kam eine Umstrukturierung, zwei Abteilungen wurden fusioniert und Stellen abgebaut. Er hat den Prozess mitverantwortet und drei Jahre lang begleitet.

Danach stand er an einem Punkt, den viele kennen: Das Thema ist erledigt, was kommt jetzt?

Eine ehemalige Kollegin empfahl ihm Stellen bei einem DAX-Konzern. Wieder Kommunikation, andere Firma. Er hat sogar einen Lebenslauf hingeschickt, eher halbherzig, wie er selbst sagt. Aber er merkte schnell: Das ist more of the same. Gleichzeitig wusste er, dass er in seinem Unternehmen kulturell gut aufgehoben war. Die Werte, der Umgang miteinander, das passte einfach.

Dann sah er intern eine Stelle: Global Segment Management – Entwicklungsprojekte für die Automobilbranche leiten.

Von Automobil hatte er keinen Schimmer. Er ist Naturwissenschaftler, hat Humanbiologie studiert, war dann Journalist und schließlich Kommunikationsmensch. Er hat sich trotzdem beworben, mit 53.

 

Was den internen Wechsel möglich gemacht hat

Jetzt kommt der Teil, der mich an Joachims Geschichte am meisten interessiert, weil er genau das zeigt, was ich bei meinen Kunden immer wieder sehe:

Es geht nicht um deinen Titel. Es geht um das, was darunter liegt, die sogenannten übertragbaren Fähigkeiten.

Joachim hatte jahrelang Projekte geleitet. Das war sein verbindendes Element, nicht die Kommunikation und nicht das Automobil, sondern Projektmanagement. Die Fähigkeit, komplexe Vorhaben zu steuern, Teams zusammenzuhalten und Stakeholder zu managen.

Aber das hätte nichts genützt, wenn auf der anderen Seite niemand genauer hingeschaut hätte. Und das ist entscheidend.

Es brauchte eine Chefin, die bereit war, über den Lebenslauf hinauszuschauen. Und eine Recruiterin, die argumentierte: „Der hat viele Projekte gemacht. Die harten Branchenthemen lernt er on the Job.“ Beide haben auf die übertragbaren Fähigkeiten gesetzt und gesagt: Das passt, das kann was werden.

Hätte Joachim nur einen Lebenslauf geschickt, blind, ohne Gespräch und ohne Fürsprecher, hätte er eine Absage bekommen. Kommunikationsmensch bewirbt sich auf Automobilprojektleitung? Passt nicht ins Profil.

Genau das ist der Punkt, an dem sich viele Unternehmen schwertun. Sie schauen auf Jobtitel und Branchenerfahrung statt auf das, was ein Mensch tatsächlich kann. Und genau da tun sich auch viele Bewerberinnen und Bewerber schwer: ihre eigenen übertragbaren Fähigkeiten zu erkennen, geschweige denn sie überzeugend zu kommunizieren.

 

Übertragbare Fähigkeiten: der eigentliche Hebel

Das ist kein HR-Buzzword. Übertragbare Fähigkeiten sind oft der einzige Grund, warum ein Wechsel, ob intern oder extern, überhaupt funktioniert.

Joachim konnte Projekte steuern und Teams koordinieren, die ihm nicht disziplinarisch zugeordnet waren. Er konnte sich in komplexe Themen einarbeiten und Fragen stellen, ohne sich dafür zu schämen. Seine Maxime: Es gibt keine doofen Fragen. Das sind Fähigkeiten, die an keine Branche und keinen Titel gebunden sind und die überall funktionieren.

Aber die meisten sehen das bei sich selbst nicht. Sie definieren sich über ihre Funktion: „Ich bin Kommunikationsleiterin.“ „Ich bin im Vertrieb.“ „Ich bin im Einkauf.“ Und wenn diese Funktion nicht mehr passt, stehen sie da und denken: Ich kann ja nichts anderes.

Das stimmt fast nie. Was fehlt, ist nicht die Fähigkeit, sondern der Blick dafür.

In einem meiner letzten Blogartikel habe ich über den roten Faden geschrieben, den man im eigenen Lebenslauf oft nicht sieht, weil man mittendrin steckt. Genau das ist hier der Punkt. 

Der rote Faden war bei Joachim immer da: Projekte steuern, Menschen zusammenbringen, Komplexität managen. Aber sichtbar wurde er erst, als jemand genau hingeschaut hat.

Und das ist der Schlüssel, egal ob du intern wechselst, dich extern bewirbst oder eine Selbständigkeit aufbaust.

 

Interner Jobwechsel mit 50: Es ist nicht alles rosig

Ich will das hier nicht rosarot malen, und Joachim tut das auch nicht.

Die Lernkurve war steil. Er sagt selbst, dass er vielleicht gezögert hätte, wenn er vorher gewusst hätte, was auf ihn zukommt. In jüngeren Jahren lernt man einen Tick schneller, meint er. „Man muss sich halt reinfuchsen, das geht schon, aber easy ist es nicht.“

Auch die Akzeptanz im neuen Team war nicht geschenkt. Seine Vorgängerin war hochgeschätzt, und dann sitzt du in einem Online-Meeting mit 12 bis 14 Leuten, die alle eine Erwartungshaltung haben. Der kommt aus der Kommunikation?

Sein Rezept war die Extra-Meile: regelmäßig in den Betrieb fahren, sich die Anlagen erklären lassen, nachfragen, verstehen wollen. Mit jedem Dazulernen wächst die Sicherheit und mit ihr die Akzeptanz.

Das klingt simpel, ist es aber nicht, wenn du Ü50 bist, vorher eine Führungsposition hattest und jetzt in einer Rolle sitzt, in der du erstmal der bist, der am wenigsten weiß.

Apropos Führungsposition: Joachim hat sie bewusst abgegeben. Zuletzt hatte er 10 Mitarbeiter, dazu Stellenabbau und gleichzeitig operative Arbeit, ein Spagat über drei Jahre. 

Er wollte sich einfach wieder in ein neues Thema reinbeißen, operativ arbeiten und sich vertiefen.

Von außen sieht das vielleicht nach Rückschritt aus. Für ihn war es eine Befreiung.

Das ist übrigens ein Punkt, über den ich kürzlich auch für die SPIEGEL-Karrierekolumne geschrieben habe: Was passiert, wenn du die Führungsrolle abgibst und dir plötzlich die Relevanz fehlt. 

Bei Joachim ist es anders gelaufen, er hat damit gewonnen. Er sagt, er sei jetzt „in der Mitte des Unternehmens angekommen“. Vorher schwebte er als Kommunikationsmensch wie ein Satellit über dem Ganzen. Jetzt ist er nah an der Produktion, am Kunden, an der Lieferkette. Bodenständige Themen statt Unternehmenspolitik. Und das fühlt sich für ihn richtig an.

 

Was du daraus mitnehmen kannst

Joachims Geschichte ist kein Rezept zum Nachmachen. Nicht jedes Unternehmen hat die Kultur dafür und nicht jeder hat die Fürsprecher. Und nicht überall gibt es einen passenden Job. Aber seine Geschichte zeigt ein paar Dinge, die ich in meiner Arbeit immer wieder bestätigt sehe.

Der interne Weg wird chronisch unterschätzt, gerade von denen, die sich nur in einer bestimmten Funktion sehen. Die Frage „Gibt es vielleicht intern eine Möglichkeit?“ wird viel zu selten ernsthaft gestellt und noch seltener ernsthaft geprüft.

Übertragbare Fähigkeiten sind der Schlüssel, egal ob du intern wechselst, dich extern bewirbst oder eine Selbständigkeit aufbaust. Gerade Ü50. Wer sich nur über seinen Jobtitel definiert, wird immer nur mehr vom Gleichen finden. Oder gar nichts.

Kulturfit ist nicht trivial. Joachim sagt: „Unternehmenskultur ist durch nichts zu schlagen.“ Er kannte sein Unternehmen, wusste, worauf er sich einlässt, und hat sich bewusst für das Bekannte entschieden statt für eine externe Stelle, die auf dem Papier vielleicht besser klang. Das ist kein Mangel an Mut, sondern Selbstkenntnis.

Und ja, es braucht trotzdem Mut. Joachim beschreibt es als Sprung vom Fünf-Meter-Brett. Er war sich ziemlich sicher, dass er keinen Bauchklatscher hinlegt, aber ein Sprung war es trotzdem.

 

Wenn du gerade an so einem Punkt stehst

Wenn du innerlich nicht mehr wirklich dabei bist, aber äußerlich noch funktionierst. Wenn du zwischen Durchhalten und Aufbruch schwankst und dich fragst, was du eigentlich noch alles kannst. Wenn du verzweifelt die nächste Stelle suchst und dich keiner will…

Dann ist der wichtigste erste Schritt nicht die perfekte Lösung, sondern Klarheit. Wo stehst du wirklich? Was kannst du jenseits deines Titels? Welche Optionen sind realistisch? Und wie gehst du strategisch vor, statt dich aus Frust wegzubewerben oder im alten Job sitzen zu bleiben, bis es wirklich nicht mehr geht?

Genau dafür habe ich meinen kostenlosen Workshop ESCAPE entwickelt. An drei Abenden analysieren wir deine Situation nüchtern, arbeiten deine übertragbaren Fähigkeiten heraus und entwickeln realistische Optionen, ob intern, extern oder in Richtung Selbständigkeit.

👉 Hier findest du alle Infos und kannst dich anmelden:

Datum: 02./04./06. März 2026, jeweils 18:00 Uhr

Und wenn du erstmal nur herausfinden willst, wo du im Vergleich zu anderen in einer ähnlichen Situation stehst, mach meinen kostenlosen Career Transition Test: 

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Du kannst Joachim hier finden: 

 

Warum „Let’s talk about“?

Ich habe diese Interview-Reihe ins Leben gerufen, weil ich weiß, dass es eine ordentliche Portion Mut erfordert, beruflich neu anzufangen – egal ob in die Selbstständigkeit oder in einen ganz neuen Job. Und weil ich weiß, dass Vorbilder und Gleichgesinnte ein ganz wichtiger Schlüssel zum Erfolg sind.

Sie zeigen, dass es funktioniert. Dass nicht immer alles glattläuft. Dass Erfolg nicht über Nacht kommt. Dass jeder Hürden überwinden muss. Und sie erzählen, wie SIE es gemacht haben, mit all ihren Ängsten, Misserfolgen und ganz persönlichen Erfolgsrezepten.

Wenn sie es geschafft haben, dann schaffst du es auch!

 

Häufig gestellte Fragen

Kann ein interner Jobwechsel mit 50+ wirklich eine komplette Neuorientierung sein?

Ja. Ein interner Wechsel muss nicht heißen, dass du eine ähnliche Funktion in einer anderen Abteilung übernimmst. Er kann ein kompletter Quereinstieg sein – wie bei Joachim, der von der Unternehmenskommunikation ins operative Projektmanagement gewechselt ist. Entscheidend ist, dass du deine übertragbaren Fähigkeiten erkennst und überzeugend kommunizierst.

 

Ist ein interner Jobwechsel mit 50+ nicht ein Karriererückschritt?

Nicht zwangsläufig. Joachim hat bewusst seine Führungsrolle abgegeben und ist in eine operative Stelle gegangen. Was von außen wie ein Rückschritt aussieht, war für ihn eine bewusste Entscheidung – weg vom Spagat zwischen Personalabbau und operativer Arbeit, hin zu einem Thema, in das er sich voll reinwerfen konnte. Manchmal ist der klügste Karriereschritt kein Schritt nach oben, sondern einer zur Seite.

 

Wie finde ich heraus, ob meine Fähigkeiten für einen internen Wechsel reichen?

Die meisten unterschätzen ihre übertragbaren Fähigkeiten, weil sie sich über ihren Jobtitel definieren statt über das, was sie tatsächlich können. Projektmanagement, Stakeholder-Kommunikation, Teamkoordination, strategisches Denken – das sind Fähigkeiten, die branchenunabhängig funktionieren. Ein strukturierter Blick von außen hilft, diese Fähigkeiten sichtbar zu machen und neu zu kombinieren.

 

Wie gehe ich einen internen Jobwechsel mit 50+ strategisch an?

Nicht mit einer halbherzigen Bewerbung auf eine interne Ausschreibung, sondern mit Gesprächen, Netzwerk und Fürsprechern, die deine Stärken kennen und bereit sind, für dich einzutreten. Bei Joachim war es eine Recruiterin, die seine Projekterfahrung erkannt hat, und eine Chefin, die bereit war, über den Lebenslauf hinauszuschauen. Strategisch heißt: Erst verstehen, was du zu bieten hast, und dann gezielt die richtigen Gespräche führen.

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