Ein Karriereausstieg mit 50 scheint eher ungewöhnlich, zumindest auf den ersten Blick. Viele halten das für unvernünftig, gefährlich oder sogar verantwortungslos. Genau so dachte ich früher auch. Vor kurzem wurde ich zu einem Podcast-Interview eingeladen und sollte meine eigene Geschichte erzählen…
Höre die Podcast-Episode hier:
Während ich mit Steffen Kessler sprach, wurde mir selbst wieder bewusst, wie ungewöhnlich, mutig und gleichzeitig folgerichtig mein Weg – der Karriereausstieg mit 50 – war.
Von außen sieht das oft aus wie eine einzige Entscheidung. Aber in Wirklichkeit war es ein langer Prozess mit Zweifeln, Angst, überraschenden Chancen und einem klaren Bauchgefühl. Man könnte sogar sagen – alles in allem – eine richtige Heldenreise.
Ich teile diese Episode, weil sie für Menschen interessant ist, die sich an einem ähnlichen Punkt befinden. Viele Führungskräfte zwischen 45 und 55 haben das Gefühl, dass sie im Konzern keine Luft mehr bekommen. Der Druck steigt, die Erschöpfung nimmt zu und die Frage taucht immer häufiger auf, ob es wirklich SO weitergehen soll. Wenn du diese Gedanken kennst, dann könnte meine Erfahrung ein Anstoß für dich sein.
Hier kannst du die Folge als Video anschauen:
Warum so viele Managerinnen und Manager über einen Karriereausstieg mit 50 nachdenken
In der Lebensmitte verschiebt sich die Perspektive. Viele sind beruflich auf einem Höhepunkt. Gleichzeitig spüren sie eine zunehmende innere Müdigkeit. Die Kinder werden selbstständiger. Die Eltern brauchen plötzlich Unterstützung. Der eigene Körper sendet Signale, die man früher ignoriert hat.
Und irgendwo im Hinterkopf meldet sich eine Frage, die man vorher nicht zugelassen hat. Wie lange will ich so weiterleben.
Diese Phase ist keine Schwäche. Sie ist ein natürlicher Übergang. Viele Menschen stellen fest, dass sie jahrelang funktioniert haben. Der Kalender war immer proppenvoll. Die Ziele waren klar vorgegeben. Und die innere Stimme wurde immer leiser, bis sie nur noch ein kaum hörbares Wispern war. Wenn sie sich dann wieder meldet, führt sie oft zu einer unbequemen Erkenntnis: Die bisherige Karriere passt nicht mehr zum Menschen, der man geworden ist.
Genau an diesem Punkt landen viele meiner Kundinnen und Kunden. Und genau an diesem Punkt stand ich selbst.
Politische Spiele, Burnout und das Erkennen der eigenen Werteverletzung
Ich war fast mein ganzes Berufsleben in Führungspositionen. Die Karriere lief gut. Es gab viel Verantwortung, große Teams und komplexe Aufgaben. Doch irgendwann veränderte sich etwas. Die politischen Dynamiken nahmen zu. Ich arbeitete in Umfeldern, die mir nicht entsprachen. Ich passte mich an und spielte Rollen, die nicht meine waren. Ich erkannte meine eigenen Werte nicht mehr wieder.
Viel später kamen körperliche Anzeichen dazu. Schlaflosigkeit. Panikattacken. Gereiztheit. Konzentrationsprobleme. Mein Partner sprach mich darauf an. Ich tat es ab, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass ich mich übernahm. Ich sagte mir, dass es nach dem nächsten Projekt wieder besser werden würde. Ich arbeitete weiter, bis es nicht mehr ging.
An einem Morgen stand ich auf und wusste, dass ich nicht mehr zur Arbeit gehen konnte. Körperlich wäre es möglich gewesen. Innerlich war es unvorstellbar. Dieser Moment hat mich erschreckt. Ich zog die Reißleine und suchte eine Psychotherapeutin auf. Die Diagnose lautete Burnout.
Solche körperlichen Stopps kommen selten aus dem Nichts. Wenn du Warnsignale wie Erschöpfung, Schlafstörungen oder Burnout im Job besser einordnen willst, findest du im Überblick zu typischen Auslösern einer beruflichen Krise in der Lebensmitte.
Ich schämte mich. Ich fürchtete, dass mein Berufsleben vorbei war. Ich dachte, dass ich mit meinen 49 Jahren keinen neuen Job mehr bekommen würde.
Das Angebot, das alles verändern sollte und meine bewussteste Entscheidung
Nach einigen Wochen fing ich an, mich zu bewerben. Ich suchte Sicherheit. Gleichzeitig startete ich erste Projekte als Freiberuflerin. Das war meine Suche nach Beschäftigung, weil ich es nicht aushielt, untätig zu sein. Die freiberuflichen Projekte liefen gut. Ich sah aber in jedem davon die alten Muster. Die politischen Dynamiken. Die Machtspiele. Die Strukturen, die mich erschöpft hatten. Die waren dort auch überall…
In dieser Phase kam ein Traumjobangebot. Ein Headhunter vermittelte mich in ein Unternehmen, das perfekt zu mir gepasst hätte. Inhaltlich, menschlich und vom Standort. Zürich war für mich immer ein Wunschort. Die Schweizer wollten mich früher nie. Aber jetzt! Nach mehreren Gesprächen rief der Headhunter an und sagte, dass ich den CEO-Posten bekommen würde. Wow! Und auch nicht Wow…
Ich war überrascht, weil die Entscheidung plötzlich bei mir lag. Rational war der Schritt logisch. Titel, Verantwortung, Geld und Standort passten. Doch innerlich war etwas klar. Ich wollte nicht zurück in diese Welt. Ich wollte nicht wieder in Strukturen arbeiten, die mich müde machten. Ich wollte nicht mehr funktionieren müssen.
Ich sagte ab. Zum ersten Mal traf ich eine wichtige berufliche Entscheidung bewusst gegen Karriere, Status und Anerkennung. Und weißt du was? Ich habe diese Entscheidung nie bereut.
Wie man sicher aussteigt: Schritte, die heute jeder Manager kennen sollte
Ein Karriereausstieg mit 50 muss kein unkontrollierter Sprung sein. Viele Menschen denken da in Extremen. Entweder alles hinschmeißen oder weitermachen. Diese Sicht ist falsch. Es gibt Zwischenräume.
Der erste Schritt besteht darin, Klarheit über die eigenen Motive zu gewinnen. Was stört mich wirklich. Welche Werte werden verletzt. Welche Fähigkeiten möchte ich wieder einsetzen. Welche möchte ich nicht mehr.
Der zweite Schritt besteht darin, Ideen zu testen. Ich nenne das Prototyping. Gespräche führen. Menschen treffen, die etwas tun, das mich interessiert. Erste kleine Experimente wagen. Ein Praktikum. Eine Hospitation. Eine Mini-Dienstleistung. Kein Risiko und viel Erkenntnis.
Der dritte Schritt besteht darin, Zwischenschritte zu nutzen. Viele bleiben zunächst im Job, reduzieren Stunden oder nehmen sich Freiräume. Es gibt keinen Grund, alles von heute auf morgen umzubauen.
Sicherheit entsteht nicht nur durch Geld. Sicherheit entsteht auch durch das Wissen, dass man Alternativen hat.
Wer so vorgeht, merkt schnell, dass der Karriereausstieg mit 50 kein Kontrollverlust ist. Es ist ein geplanter Übergang.
Was auf der anderen Seite wartet: Freiheit, Wirksamkeit und ein neues Selbstverständnis
Ich habe in meinem ersten Jahr der Selbstständigkeit mehr gelernt als in den zehn Jahren davor. Ich habe Fehler gemacht und gleichzeitig Fähigkeiten entdeckt, die ich im Konzern kaum mehr genutzt hatte. Ich war wieder neugierig. Ich war wieder kreativ. Ich fühlte mich wieder wirksam.
Menschen über 50 bringen etwas mit, das man nicht kaufen kann. Erfahrung im Umgang mit Krisen. Ein tiefes Verständnis für Strukturen. Strategisches Denken. Die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Die Wissenschaft nennt das kristalline Intelligenz. Sie wächst mit dem Alter. Sie ist eine große Stärke für Unternehmertum.
Viele meiner Kundinnen und Kunden sagen mir nach einigen Monaten der Erkundung, dass sie zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl haben, wirklich sie selbst zu sein. Diese Erfahrung ist viel wertvoller als jeder Titel.
Wenn du selbst an diesem Punkt stehst, lade ich dich ein
Wenn du merkst, dass dein eigener Karriereausstieg mit 50 gar nicht so verrückt ist, sondern vielleicht eine ernsthafte Option, dann ist jetzt ein guter Moment, Klarheit zu schaffen. Entweder, indem du dich bei mir meldest und wir einfach mal ein Gespräch über deine Situation führen.
Oder, indem du dich zu meinem kostenlosen Workshop „Von der Karriere in die Selbstständigkeit“ anmeldest. Er findet regelmäßig statt – aktuell wieder ab 09.12.25.
Dort bekommst du einen strukturierten Prozess, um herauszufinden, welcher Weg für dich richtig ist. Du musst nichts überstürzen. Du musst nur bereit sein, ehrlich hinzuschauen und erste kleine Schritte zu gehen.
Es kann gut sein, dass dieser Schritt dein ganzes Leben verändert. Es kann aber auch sein, dass du feststellst, dass ein anderer Weg besser zu dir passt. Beides ist wertvoll. Und beides ist erreichbar, wenn du dich traust, diesen Prozess zu beginnen.
Häufige Fragen zum Thema Karriereausstieg mit 50
1. Ist ein Karriereausstieg mit 50 zu spät, um sich neu zu orientieren?
Nein. Menschen in der Lebensmitte haben oft mehr Erfahrung, mehr Krisenfestigkeit und klarere Prioritäten als in jüngeren Jahren. Das erleichtert die Neuorientierung. Die Frage ist weniger das Alter, sondern die Bereitschaft, ehrlich hinzuschauen, die ersten Schritte zu machen und zu dazuzulernen.
2. Wie erkenne ich, ob mein Wunsch nach Ausstieg ernsthaft ist oder nur eine Phase?
Typische Signale sind anhaltende Erschöpfung, der Verlust von Sinn, das Gefühl, nicht mehr atmen zu können und der Eindruck, dass die eigene Rolle nicht mehr zum inneren Kompass passt. Wenn diese Gedanken über Wochen bleiben, sind sie selten eine Laune.
3. Wie lange sollte man sich Zeit für die Neuorientierung nehmen?
Viele geben sich innerlich viel zu wenig Zeit. Ein sauberer Prozess braucht mindestens einige Monate. Es hilft, parallel zu arbeiten, Fragen zu klären und erste Tests zu machen. Ein Karriereausstieg muss kein abruptes Ende sein, sondern ein Übergang.
4. Welche Rolle spielt finanzielle Sicherheit beim Karriereausstieg mit 50?
Sie spielt eine große Rolle, aber oft eine größere im Kopf als in der Realität. Sicherheit entsteht nicht nur durch Geld, sondern auch durch Klarheit und das Wissen, dass Alternativen existieren. Viele unterschätzen ihre eigene Stabilität und überschätzen das Risiko.
5. Wie finde ich heraus, ob Selbstständigkeit das Richtige für mich ist?
Durch Tests. Gespräche mit Menschen, die den Weg gegangen sind. Kleine Experimente. Erste Angebote. Eine Hospitation. Eine Mini-Dienstleistung. Das Wissen kommt nicht am Schreibtisch, sondern im Tun.
6. Kann ich aus einer Branche komplett aussteigen, wenn ich dort mein ganzes Leben gearbeitet habe?
Ja. Erfahrung ist übertragbar. Netzwerke lassen sich neu aufbauen. Und viele entdecken Fähigkeiten, die sie im Konzern kaum genutzt haben. Der Branchenwechsel beginnt nicht mit einem neuen Titel, sondern mit Gesprächen und Neugier.
7. Wie gehe ich mit der Angst um, dass es am Ende nicht klappt?
Diese Angst haben fast alle. Sie wird kleiner, wenn du erste Schritte machst. Je mehr du testest, desto weniger Raum bekommt sie. Nicht weil sie verschwindet, sondern weil du Informationen sammelst, die sie relativieren.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Karriereausstieg mit 50 ohne Kontrollverlust
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Sammle Hinweise aus deinem Alltag.
Was stresst dich. Was verletzt deine Werte. Welche Tätigkeiten geben dir Energie. Welche entziehen sie dir. Schreibe konkrete Situationen auf.
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Führe erste Gespräche.
Sprich mit Menschen, die etwas tun, das dich interessiert. Frage nach ihrem Alltag, ihren Herausforderungen, den Überraschungen in ihrem Beruf. Meide theoretische Diskussionen. Suche echte Einblicke.
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Teste eine Idee im Kleinen.
Ein Mini-Projekt. Eine Dienstleistung für jemanden aus deinem Netzwerk. Eine Hospitation. Ein Tag in einer Branche, die dich reizt. Sammle Erfahrungen, die du am Schreibtisch nicht bekommst.
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Prüfe deine Optionen nüchtern.
Was wäre möglich. Welche Voraussetzungen brauchst du. Welche Schritte sind realistisch. Mach eine Liste, die du regelmäßig aktualisierst.
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Baue Zwischenstufen ein.
Reduziere Stunden, nimm dir einen Tag pro Woche frei oder nutze Phasen im Job, die ruhiger sind. Der Übergang entsteht, indem du Luft schaffst, nicht indem du alles gleichzeitig veränderst.
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Entwickle ein erstes Modell.
Was ist das Thema, das zu dir passt. Welche Zielgruppe könntest du sinnvoll unterstützen. Welche Probleme könntest du lösen. Welche Formen von Arbeit geben dir Energie.
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Hol dir strukturierte Begleitung.
Neuorientierung folgt einer klaren Logik. Sie ist leichter, wenn jemand mit dir denkt, deine blinden Flecken erkennt und dafür sorgt, dass du die richtigen Fragen stellst.



