WARUM INNERE KLARHEIT FÜR DEN JOB Ü50 SO WICHTIG IST

Innere Klarheit bei der Jobsuche: Warum deine Haltung entscheidet – nicht dein Lebenslauf


„Ich hab’ die Zusage!“ Ein Kunde beschrieb mir neulich sein Vorstellungsgespräch in einem Satz, der ziemlich genau auf den Punkt bringt, was innere Klarheit bei der Jobsuche bewirkt:

„… weil du mit mir explizit geklärt hast, welche Werte mich ausmachen und was mich jeden Tag bewegt, und weil ich mit genau diesem Wissen entspannt und offensiv in einen Bewerbungsprozess gegangen bin, in dem ich immer wieder meine Werte, Einstellungen und Erfahrungen ins Gespräch gebracht habe, anstatt zu überlegen, was die anderen hören wollen.“

Höre die Podcast-Episode hier:

 

Entspannt und offensiv – davon träumen viele, wenn sie an Vorstellungsgespräche denken. Und das geht, wenn die Basis stimmt. Entspannt, weil du keinen Druck hast, deinem Gegenüber zu gefallen. Offensiv, weil du aktiv deine Themen einbringst und nicht nur auf Fragen reagierst. Das eine bedingt das andere.

Wir fangen daher beim Druck an. Wieso Klarheit Druck rausnimmt, wie diese Art von Klarheit wirkt – bei Vorstellungsgesprächen und übrigens auch bei der Kundenakquise.

 

Was innere Klarheit bei der Jobsuche wirklich heißt

„Innere Klarheit“, das klingt für viele nach Coaching-Sprache, Selbstfindungstrip und vielleicht sogar Esoterik. Aber gerade wenn du denkst „Ich muss nicht erst mal zu mir kommen, das ist mir zu weich, ich brauch’ was Konkretes“, solltest du weiterlesen. Das meine ich nämlich nicht.

Innere Klarheit bedeutet,
dass du deine Werte kennst, denn Werte treiben uns an.
Dass du weißt, in welchen Situationen und bei welchen Problemen du besonders wirksam bist, zur Hochform aufläufst, Ergebnisse bringst, denn das bestimmt darüber, wo du Mehrwert schaffen kannst.
Dass du weißt, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, damit sich Arbeit für dich stimmig anfühlt, denn dann kannst du wirklich performen.

Und last but not least: dass du weißt, was du willst.

Gerade der letzte Punkt ist für viele der schwerste. „Ich weiß überhaupt nicht, was ich will“ – wie oft höre ich das in meiner Arbeit!? Und es ist total nachvollziehbar und ging mir selbst so. Nach 20 oder 25 Jahren, in denen du funktioniert, geliefert und die eigenen Bedürfnisse „zuverlässig“ hinten angestellt hast, ist dieses Wissen oft verschüttet.

Die gute Nachricht: Das „Was will ich?“ musst du nicht am Anfang wissen. Es entsteht allmählich und automatisch im Klarheits-Prozess.

So war das auch bei meinem Kunden. Er hatte keine fertige Antwort. Deshalb starteten wir mit der Arbeit an Werten, Fähigkeiten, Interessen und gelebten Erfahrungen. Allmählich kristallisierten sich Muster heraus. Und je klarer er wurde, was ihn grundsätzlich antreibt und was er kann, desto klarer erkannte er, was er will.

 

Wie diese Klarheit entsteht: durch Mustererkennung

Klarheit kommt nicht vom Grübeln oder wenn du einen Persönlichkeitstest ausfüllst oder eine einzelne Übung machst. Klarheit entsteht durch Mustererkennung.

Du schaust auf deine beruflichen Stationen und hinterfragst: Wo habe ich mich wirklich lebendig gefühlt? Was genau war es, das mich dort erfolgreich gemacht hat? Welche Situationen tauchen immer wieder auf – auch in völlig verschiedenen Rollen?

Wenn du diese Muster nebeneinanderlegst, wird etwas sichtbar, das du vorher nicht gesehen hast. Mein Kunde hat seine Werte nicht nur diffus erspürt, sondern explizit herausgearbeitet. Schließlich konnte er benennen, was ihn antreibt, was er braucht und wofür er steht. Und genau deshalb konnte er es im Gespräch auch zeigen. Oder besser: Zeigte es einfach, ganz natürlich.

Wesentlich ist, präzise zu sein. Die meisten Menschen können auf die Frage „Was ist dir im Job wichtig?“ schon irgendetwas sagen. Bei meinen Kunden kommt meistens: Eigenverantwortung, Selbstbestimmung, Wertschätzung, Gestaltungsspielraum, nette Kollegen. Allgemeinplätze, die sicher jeder unterschreiben würde. Die schaffen noch keine Haltung und helfen dir in einem Gespräch genau gar nicht.

Hier kannst du die Folge 222 als Video anschauen:

Wenn du DAS klar hast, ist der nächste Job auch mit Ü50 kein Problem

 

Was passiert, wenn diese Klarheit fehlt

Stell dir vor, du sitzt im Bewerbungsgespräch. Du willst den Job. Und was machst du oder was machen so gut wie alle? Du versuchst, dem Gegenüber zu gefallen. Du passt dich an, formulierst diplomatisch, sagst das, was du vermutest, dass der andere hören will.

Du ordnest deine eigenen Bedürfnisse unter und richtest dich nach dem, was du für die Erwartung des Gegenübers hältst.

Und dein Gegenüber spürt das sofort. Auch wenn er es nicht konkret benennen kann. Die Antworten sind korrekt, aber die Person ist irgendwie nicht greifbar. Es entsteht kein Vertrauen, keine Verbindung und: keine Überzeugung. Das Gespräch bleibt höflich, an der Oberfläche und wahrscheinlich folgenlos.

Und jetzt will ich einen wichtigen Punkt machen: Dieses Verhalten, sich anzupassen, eigene Bedürfnisse unterzuordnen, dem anderen nach dem Mund zu reden, das passt doch nicht zu dir! Das passt zu einem Berufsanfänger, der noch keine eigene Position und Meinung hat und versucht, sich passend zu machen. Absolut nachvollziehbar.

Aber du stehst nicht am Anfang deiner Karriere. Du bist 40, 50, 50+. Und mit 50 zählt genau das Gegenteil, nämlich dass du einen Standpunkt hast. Dass du aus Erfahrung sprichst und weißt, wofür du stehst. Substanz, Haltung, Erfahrung – das ist dein Vorteil gegenüber Jüngeren. Den verschenkst du komplett, wenn du dich anpasst, statt Stellung zu beziehen.

Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder Menschen mit beeindruckender Expertise, die in Gesprächen unter ihren Möglichkeiten bleiben. Sie erzählen ihren Lebenslauf nach, statt zu zeigen, was sie bewirkt haben. Sie lassen den anderen das Gespräch führen, statt selbst die Richtung zu setzen. Und hinterher wundern sie sich, warum sie nicht zum Zug kommen.

Wer seine eigene Haltung nicht kennt, kann sie nicht zeigen. Und wer sie nicht zeigt, überzeugt nicht – egal wie beeindruckend der Lebenslauf ist.

 

Das passiert, wenn innere Klarheit bei der Jobsuche herrscht

Zurück zu meinem Kunden. Entspannt und offensiv – so beschreibt er selbst seinen Bewerbungsprozess. Entspannt, weil er nicht mehr überlegen musste, was die anderen hören wollen und offensiv, weil er seine Werte und Erfahrungen aktiv ins Gespräch eingebracht hat. Er hat nicht auf Fragen gewartet und sich dann passend gemacht. Er hat gezeigt, wofür er steht.

Das verändert die gesamte Gesprächsdynamik. Du wirst vom Bittsteller zum Gesprächspartner auf Augenhöhe. Das Gespräch wird zum gegenseitigen Prüfen, ob es passt. Und das spürt dein Gegenüber sofort.

Ich habe dieses Thema auch in einem LinkedIn-Beitrag verarbeitet. Ein Kommentar darunter brachte es klasse auf den Punkt: Es geht um Passung statt Anpassung. Solange du versuchst, dich passend zu machen, verbiegst du dich. Wenn du aber weißt, was zu dir passt, verändert sich dein gesamtes Auftreten, ohne dass du etwas spielen musst.

Innere Klarheit ist nicht überflüssiger Luxus und kein Eso-Blabla. Sie ist die Voraussetzung für alles andere.

 

Szenenwechsel: Du sitzt vor einem Kunden

Jetzt stell dir eine andere Situation vor. Du bist in einem Akquisegespräch. Gegenüber sitzt jemand, den du als Kunden gewinnen willst.

Was passiert? Genau dasselbe.

Viele, die sich selbstständig machen, als Berater, Coach, Freelancer, versuchen, sich in Kundengesprächen möglichst breit aufzustellen. Sie zeigen, was sie alles können und schließen am besten nichts aus. Sie passen sich an das an, was der Kunde „vermutlich“ sucht, um nur ja keine Tür zuzumachen.

Und auch hier spürt der Kunde sofort, dass irgendetwas nicht stimmt. Da verbiegt sich jemand. Man erkennt keine klare Linie, kein Profil, an dem man sich orientieren kann. So entsteht kein Vertrauen.

Vertrauen entsteht durch Klarheit. Auch ein Kunde will spüren: Der oder die weiß, wofür er oder sie steht. Der hat ein Thema, das er durchdrungen hat. Dafür ist er/sie der oder die Richtige. Und genau dieses Gefühl entsteht nur, wenn du selbst weißt, wofür du stehst – und wofür du der Richtige bist.

Ob du einen Arbeitgeber oder einen Kunden überzeugen willst macht keinen Unterschied. In beiden Fällen entscheidet deine innere Klarheit darüber, ob dein Gegenüber dir vertraut.

 

Wenn Klarheit neue Optionen öffnet

Bei meinem Kunden passierte noch etwas ganz anderes, unerwartetes, das ich immer wieder erlebe und das mich jedes Mal total begeistert.

In der Klarheitsarbeit tauchte eine völlig neue berufliche Richtung auf, an die er vorher nie gedacht hatte. In seinem Sweetspot – das ist die Schnittmenge aus Werten, Fähigkeiten, Erfahrungen und Interessen – zeigte sich eine Idee für eine Selbstständigkeit, die ihn mittelfristig reizt.

Er entschied sich bewusst, zunächst in seinem bisherigen Tätigkeitsgebiet zu bleiben und das Familieneinkommen zu sichern und parallel an dieser neuen Richtung weiterzubauen. Das ist kein Entweder-oder. Das ist beides gleichzeitig, bewusst und strategisch. Sicherheit und Entwicklung müssen keine Gegensätze sein, wenn die innere Richtung klar ist.

Innere Klarheit öffnet Optionen, die vorher unsichtbar waren. Solange dein ganzer Fokus darauf liegt, was der Markt will, bleibt dein Blick eng. Du schaust nur in die Richtung, die du kennst. Erst wenn du weißt, was dich wirklich antreibt, werden ganz andere Wege sichtbar.

 

Die Reihenfolge: Erst innere Klarheit, dann Möglichkeiten

Ich finde es immer wieder überraschend und erstaunlich, wie schnell sich das Blatt wenden kann und welche unerwarteten Optionen auftauchen, wenn man sich erst einmal in Bewegung setzt. Aber die Reihenfolge ist entscheidend:

Erst innere Klarheit, dann die Möglichkeiten da draußen anschauen.

Die meisten machen es andersherum. Sie schauen zuerst, was der Markt bietet, welche Stellen ausgeschrieben sind, was gerade gefragt ist. Und dann versuchen sie, sich passend zu machen. Kein Wunder, dass sich das verkrampft anfühlt.

Sobald die innere Klarheit da ist, setzt das Selbstbewusstsein, Kreativität, Entdeckerfreude frei. Vorher war das alles blockiert, weil die ganze Energie ins Grübeln und Anpassen geflossen ist. Wenn du damit aufhören kannst, kommt vieles in einen echten, natürlichen Fluss.

Hinweis:

In meiner Episode „Klarheit gewinnen – 5 genial tiefe Coaching-Fragen“ findest du konkrete Fragen, mit denen du diese Klarheitsarbeit selbst starten kannst.

Und in meiner Episode „Werte im Job“ erkläre ich, warum deine Werte der Schlüssel zu beruflichen Entscheidungen sind, die sich auch langfristig richtig anfühlen.

 

So gewinnst du innere Klarheit bei der Jobsuche

Wenn du gerade an dem Punkt bist, an dem du spürst, dass etwas nicht mehr passt, dann starte nicht mit dem Markt: deinen Möglichkeiten, den Stellenangeboten, den Kunden. Starte bei dir.

Kläre deine Werte

In welchen Momenten hat sich deine Arbeit richtig angefühlt? Was war in diesen Momenten anders? Welcher Wert wurde dort gelebt, der in anderen Situationen fehlte? Echte Werte findest du in konkreten Erlebnissen, nicht in allgemeinen Wertelisten.

Erkenne deine Muster

Schau auf deine beruflichen Stationen und suche nach Wiederholungen. Was hast du in verschiedenen Rollen immer wieder getan – auch ohne dass du explizit einen Auftrag hattest? Wofür wurdest du gerufen? Was hat andere über deinen Beitrag sagen lassen: „Ohne dich hätten wir das nicht geschafft“? Diese Muster sind dein roter Faden. Analysiere, was dahinter steckt.

Formuliere deine Haltung

Wenn du in einem Gespräch sitzt, egal ob in einer Bewerbung oder bei der Kundenakquise, musst du in wenigen Sätzen sagen können, wofür du stehst. Was ist mein Thema? Welches Problem löse ich? Warum bin ich dafür die richtige Person? Das ist deine Positionierung. Und die entsteht aus den Mustern, die du vorher erkannt hast.

Wenn du an dieser Stelle bist und Unterstützung brauchst, jemanden, der mit dir nicht nur auf deinen Lebenslauf schaut, sondern tiefer geht und hilft, diese Klarheit zu erarbeiten, dann buch dir gerne ein kostenloses Erstgespräch.

Kostenloses Strategiegespräch Sabine Votteler

 

Häufige Fragen: Innere Klarheit bei der Jobsuche

Wie überzeuge ich im Bewerbungsgespräch mit Ü50?

Der entscheidende Hebel ist deine Haltung. Mit 50plus hast du etwas, das Jüngere noch nicht mitbringen: Substanz, Erfahrung und – wenn du sie denn kennst – eine klare Position. Statt deinen Lebenslauf nachzuerzählen, sprich über deine Wirkung: Welches Problem löst du? Was macht dich für genau diese Rolle wertvoll? Wer so ins Gespräch geht, wird als Gesprächspartner auf Augenhöhe wahrgenommen. Denke immer daran: Du bist kein Bittsteller.

 

Warum bekomme ich trotz meiner langjährigen Erfahrung nur Absagen?

Häufig liegt es daran, dass die Erfahrung im Gespräch zu wenig sichtbar wird. Viele erzählen, was sie gemacht haben, statt aufzuzeigen, wie sie wirken, was bei ihrem Tun herauskommt. Außerdem versuchen viele, sich an die vermutete Erwartung des Gegenübers anzupassen, statt eine eigene Haltung mitzubringen. Das führt zu Gesprächen, die höflich bleiben, aber keinen Job bringen. Der Schlüssel: Deine Muster und Werte so klar kennen, dass du sie im Gespräch zeigen kannst.

 

Was mache ich, wenn ich nicht weiß, was ich beruflich will?

Das ist einer der häufigsten Ausgangspunkte bei Menschen in der Lebensmitte. Wichtig zu wissen: „Was will ich?“ ist keine Frage, die du am Anfang beantworten kannst. Das entsteht, wenn du zuerst klärst, was dich antreibt, wo du wirksam bist und welche Muster sich durch deine berufliche Geschichte ziehen. Je klarer diese Grundlagen werden, desto konkreter wird auch die Antwort. Klarheit kommt durch Mustererkennung, nicht durch Grübeln.

 

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