Wie jetzt? Erfahrung schadet? Bin ich nicht diejenige, die immer sagt, dass gerade die Erfahrung älterer Gründer ein Riesenvorteil ist?

Ja. Einerseits. Andererseits kann Erfahrung aber auch gefährlich werden. Die schlechteste Voraussetzung, etwas Neues zu machen, ist, wenn du denkst, dass du alles weißt. Und diese Annahme ist unter „uns älteren Hasen“ weit verbreitet. „Wer will MIR denn was erzählen? Ich hab‘ schon alles gesehen.“

Wenn du als Angestellte/r Karriere gemacht hast, kannst du davon ausgehen, dass du nicht weißt, wie du erfolgreich selbstständig bist. Selbst wenn du fachlich noch so versiert bist, als Manager/in super erfolgreich und für dein Unternehmen außerordentliche Ziele erreicht hast.

Wie sieht es mit deiner Persönlichkeitsentwicklung aus?

Wir bilden uns fachlich weiter und werden zu Experten. Wir werden schon in der Schule daraufhin erzogen, strebsam alles zu tun, was Lehrer und Lehrplan von uns erwarten, um den Erfolg in Form guter Noten einzufahren. So viel wie möglich konform zu gehen mit den Regeln, die andere aufstellen. Oder zumindest so konform wie nötig, um es uns nicht zu verscherzen. Um im Beruf als ein nützliches Rad im Getriebe möglichst unentbehrlich zu sein. So lange wir so ticken wie unser Arbeitgeber es erwartet, geht’s mit der Karriere voran.

Wer du selbst bist ist nicht wirklich relevant. Du bist ein Leistungsträger und – letztendlich eine austauschbare Nummer.

Das Spannende ist:

  1. Erfolgreich selbstständig zu sein funktioniert anders. Du brauchst ein völlig anderes Mindset und eine neue, unternehmerische Herangehensweise und die unterscheidet sich massiv von der der Angestellten und von dem, was in Schule und Studium gelehrt wird.
  2. Diese unternehmerische Denk- und Handlungsweise ist nicht angeboren – man hat es oder nicht – sondern erlernbar. Das heißt: Jeder kann Unternehmer/in werden.

Der grundlegende Unterschied, um erfolgreich selbstständig zu sein

Was wir in Schule und Hochschule lernen und in der Corporate Umgebung brauchen, und was wir deshalb aus dem FF können, ist das kausale bzw. vorausschauende Denken. Wir starten mit einem vordefinierten Ziel und versuchen, mit den gegebenen Möglichkeiten dieses Ziel auf dem bestmöglichen Weg zu erreichen.


Quelle: Effectuation, Michael Faschingbauer

Erfolgreiche Unternehmer denken anders

Sie starten mit ihren vorhandenen Mitteln und Möglichkeiten und ohne ein bestimmtes Ziel. Sie fangen an, etwas zu tun, was in ihrer Vorstellung unmittelbar möglich ist und lassen sich darauf ein, dass sich die Ziele mit der Zeit entwickeln. Und das ist gerade in ungewissen und dynamischen Situationen ein besserer Weg, um schnell mit weniger Risiko zu besseren und kreativeren Ergebnissen zu kommen. Also gerade zum Start in die Selbstständigkeit.

Je reifer ein Unternehmen wird, desto stärker kommt dann der planerische Management-Ansatz zum Tragen. Das heißt: Ein Unternehmen aufzubauen erfordert eine andere Vorgehensweise als ein Unternehmen zu führen.

Quelle: Effectuation, Michael Faschingbauer

Was koche ich heute?

Ein Beispiel, was den Unterschied gut erklärt ist folgendes:

Der Management-Ansatz: Du überlegst dir, was du kochen willst, kaufst die notwendigen Zutaten und bereitest das Essen nach Plan (Rezept) zu.

Der unternehmerische Ansatz: Du schaust, was im Kühlschrank ist und fängst einfach mal an – abhängig von deinen Vorlieben und Fähigkeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass hierbei etwas Neues entsteht, ist wesentlich größer als beim Kochen nach Rezept.

Dieses Prinzip nennt man auch „Effectuation“, geprägt durch die Entrepreneurship-Forscherin Frau Prof. Dr. Saras D. Sarasvathy.

Worum geht es im Wesentlichen, wenn du erfolgreich selbstständig sein willst?

Fang bei dir selbst an
Such nicht im Außen, nicht die richtige Zielgruppe, eine Marktlücke oder die richtige Idee. Finde zuerst heraus, welche Ressourcen du selbst mitbringst, wo du hinwillst und was dich antreibt. Das sollte dein Startpunkt sein.

Planen ist gut, handeln ist besser
Fang an und entdecke deine Möglichkeiten anstatt sie zu planen. Dazu gehört auch, Dinge auszuprobieren und Fehler zu machen. Versuche, schnell in deinem Umfeld zu verkaufen anstatt theoretische Marktforschung zu betreiben – wenn möglich noch bevor das Produkt oder die Leistung tatsächlich existiert.

Minimal statt maximal
Anstatt zu überlegen, wo der größte Profit zu holen ist, frage dich: Wen kannst du schnell und kostengünstig erreichen? Was kannst/willst du höchstens einsetzen? Welche Verluste kannst du dir leisten? Und verstehe: Unternehmertum geht nicht ohne Investition, Output nicht ohne Input.

Chancen statt Risiken
Klassischerweise sind Überraschungen auf dem Weg zur Zielerreichung unerwünscht. Sie stören den Plan und erhöhen das Risiko, das Ziel nicht zu erreichen. Sehe Überraschungen als Chancen, die eine neue Erkenntnisse bringen und ziehe deinen Nutzen daraus.

Kooperation statt Konkurrenzdenken
Werde sichtbar, auch wenn dein Vorhaben noch nicht ausgereift ist und nutze, wenn dadurch andere auf dich aufmerksam werden. Schließe früh Partnerschaften, um deine Ressourcen zu erweitern und neue Ideen zu generieren. Netzwerke mit Herzblut und um neue Impulse zu bekommen und zu geben und nicht, um die Zahl deiner Kontakte zu erhöhen.

Wert statt Zeit, Ergebnis statt Leistung
Kunden bezahlen nicht für deine Zeit, so wie ein Arbeitgeber das üblicherweise tut. Wenn du deine Zeit verkaufst, begrenzt du dich zum einen auf deine maximale Arbeitszeit und zum anderen wirst du niemals so viel verdienen, als wenn du ein Ergebnis verkaufst.

Du kannst mit Know-how und Fachwissen, mit Analysen, Strategien und tollen Produkten viel erreichen. Aber irgendwann stößt dein Wachstum an eine gläserne Decke. Und du machst und tust, aber du kommst einfach nicht signifikant weiter. Es ist der Wurm drin. Um wirklich erfolgreich selbstständig zu werden, musst du alte Verhaltensmuster über Bord werfen und ein neues Mindset entwickeln.

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Die alten Sprüche mit wahrem Kern, um erfolgreich selbstständig zu sein

Nach meiner eigenen Erfahrung als Unternehmertochter kann ich das alles im Nachhinein bestätigen. Nicht wissenschaftlich erforscht, sondern als Kind hautnah miterlebt. Wie habe ich die Sprüche meines Vaters manchmal gehasst. Ich hatte ein echtes Problem und er hatte kein Verständnis. So habe ich das damals empfunden. Hart und ungerecht.

„Lieber machen als perfekt.“
„Geht nicht gibt’s nicht!“
„Das haben schon Dümmere geschafft, warum solltest ausgerechnet du das nicht können?“
„Wenn du etwas nicht kannst, dann lerne es!“
„Was kümmern dich andere? Du bist du!“
„Von nix kommt nix.“

Natürlich entstehen dabei auch Glaubenssätze, die nicht hilfreich sind, gerade durch das kindliche Unverständnis. „Von nix kommt nix“ hilft nicht, wenn nicht als kausaler Zusammenhang von Einsatz und Ergebnis verstanden, sondern missinterpretiert im Sinne von „Nur wer viel tut, hat Erfolg“.

Auch die Glaubenssätze, nicht alle, aber die die dich daran hindern, erfolgreich selbstständig zu sein, solltest du ablegen.

Kombination von fachlichen und persönlichen Voraussetzungen

Es gibt einerseits so viele Coachings, Trainings, Schulungen, Seminare, Kurse zum Thema Gründung, Selbstständigkeit und Business. Da geht es um all die fachlichen Themen und um das Handwerkszeug, was du brauchst.

Und andererseits gibt es viele Life Coaches, die sich um die persönlichen Themen, wie das Mindset, kümmern. Aber es gibt nahezu keine Angebote, die beides verknüpfen. Sinnvoll integrieren auf eine für Businessleute akzeptable Art. Kein „Woowoo“, kein „Spiri“.

Aber Mindset und Herangehensweise sind mindestens genauso wichtig wie die fachlichen Qualifikationen, um erfolgreich selbstständig zu sein. Das Tolle: Du musst es nicht mitbringen, du kannst es lernen!

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