Welche Businessidee

7 total logische Gedanken, die dich beim Entwickeln deiner Businessidee in die Irre führen


Im Laufe unseres Lebens lernen wir, wie die Dinge funktionieren. Oder wie sie zu funktionieren haben. Das gilt für private, persönliche Erfahrungen genauso wie für berufliche. Es spielt keine Rolle, ob es darum geht, sich als Kind durchzusetzen, eine Prüfung zu bestehen, befördert zu werden – oder eine Businessidee zu entwickeln.

Und natürlich greifen wir uns auf unseren Erfahrungsschatz zurück, wenn wir eine neue Situation zu bewältigen haben. Schließlich ist das bei hoher Unsicherheit auf „neuem Terrain“ das einzige, worauf wir uns verlassen können.

Durch die Übertragung von Gelerntem auf neue Situationen können wir Unbekanntes meistern. Doch oftmals ziehen wir vorschnelle Schlussfolgerungen, setzen Äpfel mit Birnen gleich und agieren dadurch manchmal auch mit Scheuklappen. Und wir verlieren leider häufig die Fähigkeit, andere Perspektiven als die uns bekannte einzunehmen.

 

Was dir beim Start in die Selbstständigkeit und bei der Entwicklung einer Businessidee im Weg stehen kann

Ich möchte in diesem Artikel auf sieben verbreitete Denkmuster aufmerksam machen, die so intuitiv und logisch richtig erscheinen, dass du sie wahrscheinlich nicht einmal bewusst wahrnimmst. Dabei können sie dir beim Entwickeln einer Businessidee gewaltig im Weg stehen.

 

#1: Du SUCHST eine Businessidee

Logisch oder? Und Businessideen liegen auf der Straße. Ja tatsächlich, wenn du mit offenen Augen durch die Welt gehst, durchaus.

Oder wenn du durchs Internet surfst. Du brauchst den Begriff nur zu googeln und wirst listenweise Businessideen finden.

Die Frage ist nur: Welche davon nehmen? Wenn du wie ich bist, dann wird keine dabei sein, die tatsächlich so richtig passt. Deshalb halte ich die „Suche“ für eine wenig erfolgversprechende Methode. Die Suche und vor allen die Auswahl aus dieser Vielfalt führt meistens zu einer kompletten Überforderung und zum Verzetteln. Am Ende sind die meisten „Suchenden“ unschlüssiger als zuvor.

Geschäftsideen müssen systematisch entwickelt statt gesucht und gefunden werden.

Businessidee entwickeln

 

#2: Du beginnst mit der Marktanalyse, um auf deine Businessidee zu kommen

Wir schauen das Marktumfeld an. So haben wir das gelernt. Wo gibt es Bedarf? Was ist aktuell gefragt? Was wollen und brauchen die Menschen? Wo gibt es lukrative Möglichkeiten?

Eine solche Marktanalyse ist ein riesen Aufwand, den du deutlich verringern kannst.

Indem du erst einmal bei dir beginnst.  Analysiere lieber zuerst dich statt den Markt.

Was bringst du mit? Welche Expertise hast du aufgebaut? Wo kannst du einen Mehrwert leisten? Entwickle deine Businessidee aus dem Innen, aus dir heraus und nicht durch die Suche im Außen.

So kann ein Berater zum Beispiel Unterstützung zum Thema Change Management anbieten, weil er darin einen Marktbedarf sieht und weil er derartige Projekte bereits in der Anstellung geführt und umgesetzt hat. Damit ist er allerdings einer von ganz vielen. Der Job an sich macht ihm vielleicht sogar Spaß. Die Kundengewinnung wird schwierig.

Wenn er dagegen zunächst eine umfassende Selbstanalyse macht, findet er heraus, dass er neben seiner beruflichen Expertise über jede Menge andere Qualitäten und Fähigkeiten verfügt. Und vor allem über Leidenschaften. Sein Business könnte letzten Endes dahin gehen, dass er seine Change Management Erfahrung bzw. – ganz wichtig – das was dahintersteckt, also WESHALB er darin gut ist, in einem ganz anderen Bereich zum Einsatz bringt, der ihn viel mehr erfüllt und in dem er einzigartig ist.

Das bringt mich direkt zum nächsten Fehler.

 

#3: Du versuchst, vier Fragen auf einmal zu beantworten

Ein kritischer Punkt bei der Entwicklung deiner Businessidee ist, dass du Schritt für Schritt vorgehst.

Die übliche, vermeintlich einfache Fragestellung ist: „Was kann ich anbieten, das andere brauchen?“

Das allein sind jedoch schon zwei komplett unterschiedliche Gedankengänge, die zusätzlich jeweils wieder die Beantwortung mehrere Fragen bedürfen: „Was kann ich und was will ich?“ (ergibt das, was du anbieten kannst) und „Wer kommt eigentlich als Zielkunde in Frage und was braucht der eigentlich?“ (ergibt, was andere brauchen) voraussetzen.

Es ist unmöglich, diese Frage in einem Gedankengang zu beantworten. Zerlege besser den Prozess in folgende Schritte:

  1. Wer bin ich und was bringe ich mit?
  2. Was will ich?
  3. Zu welchen Zielgruppen habe ich einen emotionalen Zugang? Hierbei ist entscheidend, dass du die Antwort nicht mit 1. und 2. verknüpfst, sondern losgelöst davon. Es ist an dieser Stelle nicht relevant, ob du für diese Zielgruppen auch etwas anbieten könntest.
  4. Was brauchen und wollen diese Zielgruppen?
  5. Zu welchem Zielgruppenbedürfnis passt das, was ich bin am besten und wem kann ich den größten Mehrwert bringen? Erst jetzt beantwortest du die Frage „Was kann ich anbieten, das andere brauchen?“

 

#4: Du fragst dich, was du kannst, aber nicht, was du willst

Dein Business sollte auf deine Vorstellung von deinem Leben einzahlen. Sich diesem nicht nur unterordnen, sondern dazu beitragen, dass du das Leben deiner Wünsche führen kannst.

Viele ManagerInnen haben das Wünschen verlernt. Uns ist von klein auf beigebracht worden, was wir tun müssen, an welche Regeln wir uns halten sollen, was geht und was eben nicht und das hat sich bei den meisten im Lauf des Lebens gefestigt. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert und der Job schon gar nicht. Spaß im Job ist für viele Luxus. Nice to have, aber nicht vorauszusetzen.

Falsch. Dein Business MUSS dir sogar Spaß machen. Die Frage: „Was macht dir am meisten Spaß?“ ist nicht unrealistisch oder überflüssig. Es ist die wichtigste Frage bei der Entwicklung deiner Businessidee.

 

#5: Privates hat bei der Entwicklung einer Businessidee nichts verloren

Inwiefern du dein Geschäft und dein Privatleben trennen willst, ist natürlich deine persönlich Entscheidung. Doch bei der Entwicklung deiner Businessidee verpasst du wesentliche Chancen, wenn du dir nur deine berufliche Vergangenheit und Erfahrung anschaust. Das was dich als Person ausmacht und zu dem hat werden lassen, was du heute bist, ist ein wichtiger Baustein, der deiner fachlichen Expertise eine bestimmte „Geschmacksrichtung“ verleiht.

Deine Expertise ist das eine, doch wie du sie einsetzt ist noch etwas anderes. Das resultiert aus dem, was du persönlich gelernt hast. Und dieses „Wie“ unterschätzen wir meistens völlig. Dabei ist es häufig wichtiger als das „Was“. Und: Es macht deine Leistung einzigartig.

Berater und Coaches z.B. gibt es wie Sand am Meer. Willst du die oder der Abertausendste werden, der sich mit „Businesscoaching“, „Persönlichkeitscoaching“ oder mit „strategischer Marketing-Beratung“ selbstständig macht? Mit allem Respekt: Deine Erfahrung und deine Ausbildungen sind schön und gut, aber halt überhaupt nicht einzigartig. Und für einen Kunden nicht viel wert, wenn er nicht weiß, was IHM das bringt.

 

#6: Was keinen Sinn macht, lässt der von Effizienz geprägte Profi natürlich weg!

Wir neigen dazu, unsere Möglichkeiten zu begrenzen, indem wir uns manche von vorneherein nicht erlauben und sie direkt ausschließen. Weil wir denken, sie seien unrealistisch oder nicht machbar, irrelevant oder zu aufwändig. Weil wir nur die Dinge verfolgen wollen, die Sinn machen und uns effektiv voranbringen.

Leider täuschen wir uns häufig in unserer Bewertung. Wenn wir bei der Entwicklung einer Businessidee bestimmte Erkenntnisse überhaupt nicht in die Betrachtung einbeziehen, berauben wir uns nicht nur irgendwelcher Hirngespinste, wie man vielleicht annehmen mag, sondern auch sehr realistischer Chancen.

Ich sehe es so häufig, dass zum Beispiel mögliche Zielgruppen definiert werden und dabei schon in der Brainstormingphase nicht alle aufgeschrieben werden, weil man für diese vermeintlich sowieso nichts anbieten könne.

Es ist erwiesen, dass bessere Entscheidungen getroffen werden, wenn die Auswahl am Anfang eines Kreativitätsprozesses groß ist.

Eine Kundin von mir wollte sich als Führungskräftecoach für Frauen selbstständig machen. Das erschien absolut sinnvoll, denn sie hatte selbst Erfahrung als Führungsfrau und der Bedarf war vorhanden. Dass sie mit einer anderen Zielgruppe viel größeren Spaß hatte, schob sie erst einmal beiseite, weil sie der Meinung war, mit dieser könne man kein Geld verdienen: Junge Erwachsene. Dass man zur Lösung bestimmter Problemstellungen für diese Zielgruppe ein ebenso lukratives Geschäftsmodell entwickeln kann, darauf kam sie erst auf Umwegen. Jetzt ist sie happy damit.

 

#7: Am Bewährten festhalten – Die Angst, dass es nur die eine Richtung gibt

Wie oft habe ich Kunden, die bei der Entwicklung ihrer Businessidee einfach nicht über ihre berufliche Erfahrung oder ihre Ausbildungen „hinwegkommen“. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass es für sie auch darüber hinaus Möglichkeiten für eine Geschäftsidee geben kann. Sie glauben nicht daran, dass das funktionieren kann.

Ein Beispiel ist eine andere Kundin von mir mit unglaublich vielen Qualitäten, die lange immer wieder zurückfiel auf ihr Marketing-Know-how, ihre Geschäftsführungserfahrung und: Mediation, weil sie darin eine Zusatzausbildung hatte.

Das sind super Voraussetzungen und kombiniert mit ihren persönlichen Erfahrungen kann sie so viel mehr und ganz andere Probleme lösen. Sie glaubte es nur einfach nicht, traute sich nicht, das bekannte Job-Fahrwasser zu verlassen.

Und der andere Aspekt an dieser Geschichte: Vielen fällt es so schwer, sich auf eine etwas andere Idee einzulassen, weil sie sich dann ein für allemal festgelegt fühlen. Dem ist jedoch nicht so. Im Gegenteil. Wenn du dich selbstständig machst, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich dein Business in den ersten Jahren verändert. Du schadest ihm sogar, wenn du auf Biegen und Brechen an der Ursprungsidee festhältst. Nichts ist in Stein gemeißelt.

 

Ganz generell lässt sich sagen: Je offener du bist und je mehr du neue Perspektiven zulassen kannst, desto leichter wirst du die richtige Businessidee entwickeln können. Als deinen Sweetspot, mit dem du den größten Mehrwert stiftest.

Ich weiß: Das ist manchmal leichter gesagt als getan, denn wir wissen selbst nicht, was wir nicht sehen und wo wir uns von vorneherein limitieren. Dafür eine Wahrnehmung zu entwickeln ist ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Und oft bedarf es einer neutralen außenstehenden Person, die einen immer wieder darauf hinweist, wenn man in alte Denkmuster verfällt und aufzeigt, was NOCH alles möglich ist!

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