Schon wieder unzufrieden im neuen Job

Im neuen Job schon wieder unzufrieden


Im neuen Job schon wieder unzufrieden. In dieser Folge spreche ich über ein Phänomen, das mir immer mal wieder begegnet: Du wechselst den Job, weil du nicht mehr zufrieden bist, in der festen Annahme, dass alles wieder gut wird. Und dann stellst du innerhalb weniger Monate fest, dass du schon wieder unzufrieden bist. 

Was nun?

 

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Natürlich verunsichert es, wenn du wenige Monate nachdem du eine neue Stelle angetreten hast, schon wieder an dem Punkt bist, dass du am liebsten wegrennen würdest – oder deutlich spürst, dass du darauf zusteuerst.

Noch verwirrender, wenn du mit diesem Job im Grunde genau das bekommen hast, was du wolltest: Zum Beispiel… mehr Verantwortung und flachere Hierarchien. 

Da fängt man natürlich an, sich Fragen zu stellen wie:

  • Jetzt hab‘ ich doch, was ich wollte und bin trotzdem nicht zufrieden?
  • Was stimmt mit mir nicht?
  • Bin ich vielleicht undankbar?
  • Habe ich einfach die falsche Firma erwischt? 
  • Oder habe ich möglicherweise falsche oder unrealistische Erwartungen? 

Und dann die bange Frage: Ja, aber muss ich jetzt nicht wenigstens zwei Jahre durchhalten? Ich kann doch nicht schon wieder kündigen. Wie sieht das denn im Lebenslauf aus?

 

Nach kurzer Zeit schon wieder unzufrieden – ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis

Einer meiner Kunden arbeitete bei einem Konzern in der Druckbranche. Er haderte mit den langen Entscheidungswegen, damit, dass er selbst zu wenig Entscheidungsbefugnisse hatte und seine Ideen nicht umsetzen konnte. Er wollte mehr Verantwortung. 

Deshalb wechselte er zu einem kleineren, mittelständischen Unternehmen mit flacheren Hierarchien. Weil er glaubte, dort gäbe es kürzere Entscheidungswege und er hätte mehr Verantwortung und deshalb den nötigen Freiraum, neue Dinge umzusetzen.

Doch nach ein paar Monaten war er dort am gleichen Punkt. Unzufrieden und frustriert. Diesmal war das Problem nicht die Hierarchie. Dieses Mal stand seinen Ideen und seinem Umsetzungswunsch ein konservativer Inhaber gegenüber, der Veränderungen und Neuem gegenüber wenig aufgeschlossen war.

Es lohnt sich also genau hinzuschauen, was hinter der Unzufriedenheit steckt. Welches Bedürfnis. Und zu prüfen, ob der neue Job diese Bedürfnisse wirklich erfüllt. Zum Beispiel, indem du genau hinterfragst, wie Entscheidungsprozesse ablaufen, welche Ideen in der letzten Zeit umgesetzt wurden und was oder wer der maßgebliche Treiber dafür war.

 

So, aber was machst du jetzt, wenn du in so einer Situation bist: Schon wieder unzufrieden!

Zunächst will ich dich beruhigen: Dem Lebenslauf schadet es nicht, wenn da mal kürzere Engagements auftauchen. Solange man diese plausibel erklären kann, ist das kein Problem. Im Gegenteil: Eine konsequente Handlung, um eine unbefriedigende Situation zu verändern, wird niemand als Makel sehen.

Also, die Unzufriedenheit nicht wegdrücken und durchhalten, sondern ihr auf den Grund gehen und herausfinden, was die Geschichte dahinter ist.

Ein neuer Job kann vielleicht die Lösung bringen, muss aber eben nicht. Dann, wenn die Unzufriedenheit mit dir selbst zu tun hat. 

Hier kannst du dir die Podcast-Folge als Video ansehen:

Im neuen Job schon wieder unzufrieden

 

4 Fragen, wenn du mit deinem neuen Job schon wieder unzufrieden bist

 

1. Was stört dich ganz konkret?

Fang bei deiner vorherigen Stelle an und schau dir im Anschluss die jetzige Position an. Was macht dich unzufrieden?

Ist es das Thema, sind es Arbeitsinhalte und Tätigkeiten, geht es dabei um Menschen, mit denen du zu tun hast oder um sonstige Rahmenbedingungen?Vielleicht gibt es Kollegen, mit denen die Zusammenarbeit schwierig ist, vielleicht durchkreuzen wiederholte Strategiewechsel und Budgetkürzungen deine Ideen, vielleicht verlierst du die Motivation, weil deine Projekte nicht oben auf der Agenda stehen.

Und dann ist ganz entscheidend: Frage dich, WARUM dich diese Dinge stören. Was liegt dahinter? Welche Bedürfnisse stecken dahinter, die nicht befriedigt werden? Und: Kann ich das in einem anderen Job bekommen?

 

2. Welche Erwartungen hattest du an den neuen Job?

Auch mit dieser Frage kommst du dem näher, worum geht es dir tatsächlich geht. Willst du mehr Entscheidungsfreiheit? Mehr Bedeutung, mehr Anerkennung oder Wertschätzung? Oder willst du mehr bewegen mit den Dingen, die du tust? Willst du mehr Sinnhaftigkeit? Oder geht es etwa um den Selbstwert.Welche von all den Punkten wurden im vorherigen Job und werden auch jetzt nicht erfüllt?

 

3. Was hat sich verändert?

Häufig haben sich Dinge im Umfeld verändert. Im Job. In der Firma. Vielleicht eine Umstrukturierung, vielleicht ein neuer Chef, vielleicht eine neue Aufgabenverteilung oder eine komplett neue Ausrichtung.Wenn nicht, dann vielleicht in deinem privaten Umfeld. Und sehr häufig – bei dir!

Das passiert oft in der Mitte des Lebens. Und du denkst immer noch zu wissen, was du willst und brauchst, aber das ist überholt. Weil sich deine Prioritäten verändert haben. Und der vermeintlich ideale Job, der dir mehr Verantwortung und Wirksamkeit bringt, ist einfach nicht mehr passend. Weil du zwar wirksam werden kannst, doch in einer Sache, bei der dir der Sinn fehlt.

 

4. Was sind deine maßgeblichen Emotionen und Werte?

Du wirst merken, dass es im Wesentlichen um Emotionen und Werte geht. Du willst bestimmte Gefühle empfinden. Und das leben, was dir wichtig ist – deine Werte.

Werte sind ein ganz entscheidendes Thema. (In Podcast-Episode # 88 spreche ich explizit darüber und auch, wie du deine Werte herausfinden kannst.)

Wenn du dauerhaft deine wichtigsten Werte in einem Job nicht leben kannst, ist die Unzufriedenheit vorprogrammiert.Wenn dir z.B. an Verantwortung der Freiraum wichtig ist, weil du etwas umsetzen, etwas bewirken willst, du aber in deinem Job ständig gebremst wirst, wie etwa durch Einschränkungen beim Budget, beim Team, in der Strategie oder wodurch auch immer, dann wirst du immer frustriert sein. Verantwortung hin oder her.

Wenn du also angenommen hast – wie mein Kunde -, mit der flacheren Hierarchie und der größeren Verantwortungsspanne seien eine größere Entscheidungsbefugnis verbunden und damit automatisch mehr Möglichkeiten, deine Ideen umzusetzen, dann wird diese Erwartung vielleicht nicht erfüllt.

 

Ein neuer Job oder eine andere Lösung

Nur wenn du dir über dich selbst und deine Motive, die Bedürfnisse dahinter im Klaren bist, kannst du den Job finden, der zu dir passt. 

Und dann kannst du auch deinen derzeitigen Job noch einmal neu bewerten. Damit hast du eine gute Grundlage für eine Entscheidung.

Vielleicht stellt sich heraus, dass ein klärendes Gespräch oder ein paar machbare Veränderungen schon ausreichen, damit sich die Situation verbessert. 

Womöglich erkennst du auch, dass das, was du tatsächlich willst, in jeder Anstellung grundsätzlich schwer zu finden sein wird. Dann lohnt sich die Überlegung, ob eine Selbstständigkeit etwas wäre.

Möglicherweise liegt der Unzufriedenheit auch ein genereller Veränderungsprozess zugrunde. Vielleicht bist du wie viele Menschen an den Punkt kommen, wo andere Erwartungen an das Leben und an Arbeit in den Vordergrund rücken als noch ein paar Jahre zuvor. Oft werden Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit wichtiger als z.B. Status und Einfluss. Vielleicht bist du in dieser Umbruchphase. 

 

Was du noch tun kannst, um eine sinnvolle Entscheidung zu treffen

Überstürze nichts. Probiere dich aus. Aktionismus oder radikale Veränderungsschritte empfehle ich nicht. Knüpfe stattdessen zum Beispiel Kontakte zu Menschen, die eine ähnliche Geschichte erlebt haben oder die etwas tun, das du interessant oder bewundernswert findest – zum Beispiel Menschen, die sich selbstständig gemacht haben. 

Arbeite ehrenamtlich oder mach eine Art Praktikum für ein paar Tage. 

Und hol dir Unterstützung, zum Beispiel von einem Berater oder Coach. Damit der nächste Job wieder besser passt.

 

Noch etwas…

Es gibt keine „Mindestdauer“, die man in einer Position verharren muss, bevor man wechseln „darf“. Wenn du nach reiflicher Überlegung feststellst, dass du und dein Job einfach nicht zusammenpassen, dann solltest du nicht um jeden Preis daran festhalten und deine Zeit mit halbherzigen Versuchen vergeuden. Freu dich lieber, dass du das so schnell bemerkt hast und einen neuen Weg einschlagen kannst.

Wenn du dir unsicher bist, ob ein neues Unternehmen, oder ein neuer Job die Lösung ist oder eine Selbstständigkeit und Angst hast, dich fragst: Was, wenn das dann wieder nicht das richtige istdann melde dich bei mir.

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