Beruflichen Ausstieg finanzieren mit Ü50 – auch wenn das Geld nicht reicht. Was du jetzt noch ändern kannst. Bettina Peetz Interview

Beruflichen Ausstieg finanzieren: Was, wenn das Geld nicht reicht und was du mit Ü50 noch dran ändern kannst


„Kann ich mir das überhaupt leisten?“ Diese Frage stellen sich viele Menschen Ü50, die sich mit einer beruflichen Neuorientierung beschäftigen. Und dann: „Oder ist es für so ein Vorhaben schon zu spät?“ Wer einen beruflichen Ausstieg finanzieren will oder muss, erlebt bei der Prüfung seines Vermögens womöglich eine Überraschung. Ein Leben lang gut verdient, gespart, angelegt und: es reicht trotzdem nicht.

Was dann zu tun ist, erfährst du in dieser Podcast-Episode von meinem Interview-Gast Bettina Peetz.

 

Bettina Peetz war 32 Jahre lang Geschäftsleiterin bei JAKO-O, einem Versandhandelsunternehmen für Kindersachen. Sie war von Anfang an dabei, hat die Firma von einem halben Jahr alten Startup bis zum gewachsenen Unternehmen begleitet und “nebenbei” drei Kinder großgezogen. Und sie hatte schon mit 25 einen Plan: Mit 55 wollte sie aufhören zu arbeiten. Als sie ihren zehn Jahre älteren Mann heiratete, war das der Grund. Wenn der in Rente geht, wollte sie frei sein, um gemeinsam die Welt zu entdecken.

Den Plan hat sie tatsächlich eingehalten. Fast. Denn mit 53 überprüfte sie ihre Finanzen und stellte fest: Das reicht nicht!  Wie sie trotzdem heute ein Leben lebt, das sie ihren Abenteuerspielplatz nennt, das erzählt sie in dieser Episode. Hier gibt es das Video dazu:

Beruflichen Ausstieg finanzieren | Geld im Alter reicht nicht – was jetzt? | So hat sie es gemacht

 

Vielleicht erkennst du dich in dieser Geschichte wieder. Du verdienst gut, hast dein Leben lang gearbeitet, hast das Gefühl, vorgesorgt zu haben. Aber ob das wirklich reicht – für eine Auszeit, einen Neustart, den Absprung in die Selbstständigkeit oder einfach ein Leben mit mehr Luft – das hast du nie wirklich durchgerechnet. Weil der Alltag immer dazwischenkam. Vielleicht auch, weil du Angst hattest vor dem, was da rauskommt.

Bettina hatte mit nichts Negativem gerechnet und war schockiert, dass sich ihr Geld in all den Jahren so wenig vermehrt hatte. Sie schaute hin, aber nicht zu. Sie änderte SOFORT etwas. Und mit 56 wagte sie den Sprung.

 

Verdient, gespart, angelegt – Beruflichen Ausstieg finanzieren

Bettina hatte ihr Geld immer investiert, über einen Finanzberater, dem sie vertraute. Einmal im Jahr, wenn der Bonus kam, setzte sie sich hin, hörte sich seine Empfehlungen an und hatte das Gefühl, dass sie auf dem richtigen Weg war. Danach hat sie sich nicht mehr groß darum gekümmert. Verständlich, weil: Drei Kinder, Vollzeit-Job und mehr als genug zu tun.

Der Schock nach der Ernüchterung mit 53 war nicht, dass jemand sie betrogen hatte. Ihr Geld war einfach nicht gewachsen. Es hatte sich gerade so gegen die Inflation gestemmt, aber mehr auch nicht. Und das, sagt Bettina heute, hätte sie schon zehn Jahre früher merken können, wenn sie nur mal hingeschaut hätte.

Sie war stinksauer, aber nicht etwa auf den Finanzberater, sondern auf sich. Wie konnte sie alles im Leben wuppen, aber sich nicht um ihr Geld kümmern!?

Genau diese Ehrlichkeit sich selbt gegenüber führte dazu, dass sie unmittelbar begann, sich mit dem Thema wirklich zu befassen und es selbst in die Hand zu nehmen.

In den Jahren, die ihr bis zum Ausstieg noch blieben, hat sie konsequent gespart. Ausgaben runter, Sparbetrag rauf. Sie sagt, dass in dieser Zeit noch mal eine echte Summe zusammengekommen ist. Das lohnt sich zu hören für alle, die denken, mit Mitte 50 ist da finanziell nichts mehr zu retten.

Selbst wer spät hinschaut, kann noch was drehen. Voraussetzung ist, dass man überhaupt hinschaut.

 

Wie der Ausstiegsgedanke über 7 Jahre reifte

Die letzten sieben Jahre bei JAKO-O waren anders als alles davor. Das war immer ihr “Baby”. So viele tolle Projekte, so viele tolle Mitarbeiter. Sie hatte dafür gebrannt. Sie konnte all ihre Ideen dort verwirklichen. Bettina drückt große Dankbarkeit aus, denn das war viele Jahre für sie ein Traum.

Doch die Firmengruppe, der JAKO-O angehörte, war gewachsen, und die Strukturen hatten sich verändert. Aus einem Unternehmen, das vom Gründer, von Persönlichkeit, Menschlichkeit und Mitdenken lebte, war etwas “Konzernartiges” geworden. 

Aufgabenbereiche wurden kleiner, Zuständigkeiten enger. Das Mitdenken der Mitarbeiter wurde weggeknapst, erzählt Bettina. Und dann kamen Führungskräfte von außen, aus echten Konzernen, mit einer anderen Sprache und einer anderen Haltung. Das Grummeln in ihrem Bauch wurde lauter.

Weggehen war trotzdem keine Option. Drei Kinder, die noch studierten. Das Geld, das sie alleine verdiente. Und ein Headhunter, bei dem sie irgendwann ihre Fühler ausstreckte, der ihr direkt sagte: Du hast nur in einer einzigen Firma gearbeitet. Du hast überhaupt keine Chance woanders. Das saß.

Und dann kam ein Chef, der sie offensichtlich loswerden wollte. Bettina beschreibt es so: kleine Giftspritzen unter dem Tisch, die sie erst im Nachhinein als das erkannte, was sie waren. Ihr erster Impuls war Kampf. “Du jagst mich nicht vom Hof.” Sie hat noch mal richtig gekämpft. Aber es war, wie sie heute sagt, ein blöder Kampf.

Den letzten Anstoß gab ihre Tochter.

Bettina hatte sich bei ihr ausgeheult, über alles, über den Chef, über das Festsitzen, über das Nicht-loslassen-Können. Und ihre Tochter schaute sie an und meinte: „Mama, du wolltest immer mit 55 aufhören. Du bist jetzt 56. Wo ist das Problem?“

Und dann, fast nebenbei: „Ich habe gerade einen Flug nach Asien gebucht. Hast du vielleicht Lust mitzukommen?“

Am nächsten Tag ging Bettina zu ihrem Chef. Sie einigten sich. Und am Abiturtag ihres jüngsten Sohnes unterschrieb sie den Aufhebungsvertrag.

Zuerst sind sie und ihre Tochter fünf oder sechs Wochen nach Myanmar geflogen. Und Bettina hat festgestellt, dass das Leben außerhalb des Hamsterrads existiert und sich gut anfühlt.

 

Wer bin ich, wenn ich nicht mehr jeden Tag wichtig bin?

Schon ein Jahr vor dem endgültigen Ausstieg hatte Bettina ein dreimonatiges Sabbatical gemacht. Der Grund war simpel: Solange sie im Hamsterrad lief, konnte ihr Kopf sich kein Leben außerhalb vorstellen. Das Sabbatical war ein Test.

Sie wollte drei Dinge klären: Identität, Finanzen, Zeit.

  1. Identität: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr Frau JAKO-O bin? Die Antwort, die sie bekam, hat sie überrascht: Das ist scheinbar nicht schlimm. Es ist nicht (mehr) relevant.
  2. Finanzen: Sie hat lang und hin und her und rauf und runter gerechnet, ob es geht. Kann ich überleben? Können meine Kinder studieren? Kann ich ein einigermaßen gutes Leben führen? Und dann einen Haken dran gemacht. Geht irgendwie.
  3. Zeit: Das war die Frage, bei der sie vorher am unsichersten war. Was macht man mit all den Stunden, die man plötzlich hat? Solange sie im Job war, konnte sie das nicht ausprobieren. Bettina erzählt, dass sie nicht wusste, ob sie damit umgehen kann. Die Antwort kam erst im Sabbatical selbst: Sie hat sich keine einzige Stunde gelangweilt. Das Leben außerhalb der Arbeit war reicher, als sie sich vorgestellt hatte.

 

Etwas tun, aus einem Bedürfnis heraus, das neue Möglichkeiten eröffnet

Bettina hatte noch während ihrer Zeit bei JAKO-O begonnen, kleine Schritte in eine andere Richtung zu machen. Als ihr die “echten”, operativen Menschenkontakte im Job immer mehr fehlten, hatte sie eine Ausbildung bei der Telefonseelsorge gemacht. 

Diese Tür öffnete die nächste: eine Coachingausbildung könnte Spaß machen – gesagt, getan. Beides noch völlig unter dem Radar, noch in der Firma, noch ohne zu wissen, wohin das führen würde.

Aus dem Sabbatical entstand eine Vorstellung von einem Neustart.

Und aus der Coachingausbildung wurde letztendlich ein Beruf. 

Doch vorher kam das persönliche Erlebnis mit den Finanzen, mit dem 90-jährigen Freund ihrer Mutter, der ihr in drei Stunden mehr über Aktien erklärte als ihr Finanzberater in Jahrzehnten. Den beruflichen Ausstieg finanzieren – endlich gab es einen Plan. Sie hat umgeschichtet, alles was ging in Aktien, und ist seitdem so überzeugt, dass sie sich irgendwann gefragt hat: Warum macht das eigentlich keiner? Alle rennen zur Bank, kaufen irgendetwas, schauen mit 65 hin und stellen fest: Ups, da ist ja gar nicht so viel.

Diese Frage ist Basis ihres heutigen Business’: Finanzcoach für Frauen 50+, mit einem klaren Prozess, der zwei Monate dauert und danach selbstständig funktioniert. Aus dem blinden Fleck ist ihre Mission geworden. Finanzielle Selbstwirksamkeit – ohne Betriebswirtschaftsstudium, ohne Fachjargon.

Übrigens: Wenn du das Thema Existenzangst vor dem Ausstieg kennst, habe ich dazu einen Artikel geschrieben (klick).

 

Drei Dinge, die Bettina allen empfiehlt, die gerade noch mittendrin stecken

Bettina gibt am Ende des Interviews drei konkrete Tipps. 

1.Kleine Schritte in Richtung der Dinge, die dich früher bewegt haben.

Du musst nicht sofort alles hinschmeißen. Bettina hat noch während sie in der Firma war angefangen, bei der Telefonseelsorge zu arbeiten, weil ihr der echte Kontakt zu Menschen fehlte. Das hat eine Tür geöffnet, die sie vorher nicht gesehen hatte. Jeder Schritt bergauf verändert die Perspektive. Du musst nicht wissen, wohin du gehst. Du musst nur anfangen, zu gehen.

2. Finanzen wirklich anschauen und radikal sparen, was noch geht.

Auch wer sieht, dass es knapp wird, kann in den Jahren vor dem Ausstieg noch mal richtig was drehen. Bettina hat das getan: Ausgaben runter, Sparbetrag rauf, konsequent. In dieser Zeit ist noch mal eine echte Summe zusammengekommen. Das ist kein Eingeständnis von Scheitern, das ist Strategie.

3. Das Klopapier-Bild

Acht Blatt Klopapier, jedes steht für zehn Lebensjahre. Man schneidet ab, wo man altersmäßig steht. Bettina dachte spontan: in der Mitte. Und dann hat sie bei 50+ abgeschnitten und festgestellt: Da ist nur noch ein Drittel. Das Leben ist endlich. Du kannst schlechte Jahre nicht auf später verschieben. Das ist kein Pessimismus, das ist Realismus. Und manchmal der einzige Tritt, den es braucht.

 

Beruflichen Ausstieg finanzieren: Lieber jetzt hinschauen als gar nicht

Bettinas Geschichte ist keine Warnung. Sie ist eine Ermutigung. Mit 53 hinzuschauen und festzustellen, dass der Plan ein Loch hat, das ist kein Scheitern. Das ist der Anfang von etwas Besserem. Und selbst wer das erst mit 55 tut, kann noch was drehen, wenn er oder sie es wirklich angeht.

Was ich aus ihrer Geschichte mitnehme: Du musst nicht alles richtig machen. Aber du musst irgendwann hinschauen.

 

Du willst wissen, ob deine Situation einen Absprung erlaubt – und wenn ja, in welche Richtung?

Genau dafür bin ich da. Vereinbare gerne ein kostenloses Strategiegespräch mit mir: https://sabinevotteler.youcanbook.me

Wir schauen gemeinsam auf deine individuelle Situation, deine Optionen und deinen nächsten realistischen Schritt.

Und wenn du spezifische Fragen rund um Geldanlage und finanzielle Selbstständigkeit ab 50 hast, ist Bettina genau die Richtige dafür. Ihre Kundinnen sind Frauen, die sich fragen, ob sie sich den Absprung leisten können, und Frauen, die plötzlich einen größeren Betrag – ob Abfindung, Erbe oder Versicherung – sinnvoll anlegen wollen.

Bettina Peetz findest du unter:

 

Warum „Let’s talk about“?

Ich habe diese Interview-Reihe ins Leben gerufen, weil ich weiß, dass es eine ordentliche Portion Mut erfordert, beruflich neu anzufangen. Und weil ich weiß, dass Vorbilder und Gleichgesinnte oft der entscheidende Schlüssel sind. Sie zeigen, dass es funktioniert. Dass nicht immer alles glattläuft. Und sie erzählen, wie sie es gemacht haben, mit all ihren Ängsten, Hürden und ganz persönlichen Erkenntnissen. Wenn sie es geschafft haben, schaffst du es auch.

 

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Geld brauche ich, um meinen beruflichen Ausstieg finanzieren zu können?

Das hängt von deinem Lebensstil, deinem Rentenanspruch und deinen laufenden Kosten ab. Eine grobe Faustregel: mindestens 12 bis 24 Monate Lebenshaltungskosten als liquide Reserve, bevor du einen Schritt ohne gesichertes Einkommen machst. Wichtiger als eine feste Zahl ist das ehrliche Hinschauen: Was brauche ich wirklich? Wo kann ich reduzieren? Und was wächst noch, wenn ich jetzt anfange, es systematisch anzulegen?

Ist es mit 55 noch sinnvoll, in Aktien zu investieren?

Ja, absolut. Viele unterschätzen, wie viel Zeit noch vor ihnen liegt. Mit 55 hast du noch zehn, fünfzehn oder zwanzig aktive Jahre. Bettina Peetz hat mit Ende 50 ernsthaft angefangen und sieht seitdem echtes Wachstum. Entscheidend ist nicht der perfekte Zeitpunkt, sondern überhaupt anzufangen und dabei ein paar grundlegende Dinge richtig zu machen.

Was mache ich, wenn ich feststelle, dass mein Geld für den Ausstieg nicht reicht?

Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um zwei Dinge parallel zu tun: erstens die laufenden Ausgaben konsequent zu senken und was noch geht auf die Seite zu legen, und zweitens das vorhandene Geld endlich wirklich für dich arbeiten zu lassen statt es auf dem Konto liegen zu haben. Bettina Peetz hat in den Jahren vor ihrem Ausstieg genau das gemacht und damit noch mal eine echte Summe aufgebaut. Es ist fast nie zu spät, anzufangen.

Wann lohnt sich ein Sabbatical?

Ein Sabbatical lohnt sich, wenn du es nutzt, um konkrete Fragen zu klären, die du im Arbeitsalltag nie klären kannst. Bettina Peetz wollte drei Dinge herausfinden: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr jeden Tag wichtig bin? Reicht das Geld? Und was mache ich mit der ganzen Zeit? Solange sie im Hamsterrad lief, konnte sie sich ein Leben außerhalb der Firma schlicht nicht vorstellen. Erst der Abstand hat ihr den Kopf freigemacht. Das ist der eigentliche Wert eines Sabbaticals: nicht Erholung, sondern Raum für Gedanken, die im Alltag keine Chance haben.

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