Mit 50 noch mal was ganz anderes machen: Vorher Vertriebsleiter und mit 53 als Influencer sein Geld verdienen?!


Torsten Brämer sitzt in einem Café. Gerade hat er sich in einem Schreibwarenladen eine Kladde und einen neuen Stift gekauft. Kurz davor hat er seinem Arbeitgeber gesagt, dass er nicht mehr kommt, nach fast 20 Jahren im Management, zuletzt als Leiter Vertrieb. „Was machst du eigentlich ab jetzt?“, fragt er sich und beginnt, auf dem Blatt erste Ideen zu sammeln. Aber dann kommt der Gedanke, den ich von so vielen meiner Kunden kenne. Ich kann ja eigentlich nichts. Wenn du selbst gerade überlegst, mit 50 noch mal was ganz anderes machen zu wollen, kennst du diesen Gedanken vielleicht auch. Genau darüber spreche ich mit meinem Interview-Gast Torsten Brämer in dieser Folge.

 

Heute ist Torsten 58 und betreibt mit „Wir sind Garten“ eine der größten Garten-Communities im deutschsprachigen Raum. Über eine Million Menschen folgen ihm …

Er verdient sein Geld als Influencer, als „Greenfluencer“, wie er selbst sagt. Den Wechsel hat er mit 53 gemacht, raus aus dem Konzern, rein in etwas, das er sich in seinem Vertriebsleben niemals zugetraut hätte. Das Verrückte daran ist, dass das Thema, mit dem er heute so viele Menschen erreicht, die ganze Zeit vor seiner Nase lag.

 

Wenn der Job nicht mehr passt wie eine zu klein gewordene Jacke

Ein Umbruch in der Lebensmitte kommt selten plötzlich. Bei Torsten hat sich über Monate hinweg ganz allmählich etwas eingeschlichen, das viele um die Lebensmitte kennen. Der Job lief gut, machte lange sogar richtig Spaß. Er hat es geliebt, Führungskraft zu sein und Menschen weiterzuentwickeln. Und trotzdem fing irgendwann etwas an zu zwicken, so wie eine Jacke, die auf einmal zu klein geworden ist. Dabei hatte er nichts falsch gemacht, er war erfolgreich, und doch passte es nicht mehr.

Ich erlebe dieses Gefühl des „Nicht-mehr-richtig-dabei-Seins“ bei meinen Kunden häufig. Was es bei Torsten zusätzlich verschärfte, war ein neuer Gedanke, eine neue Sichtweise auf das Leben, die ab 50 viele einholt. Die scheinbar plötzliche Realisierung der eigenen Endlichkeit. Torsten bringt es selbst so auf den Punkt: Morgen ist kein neuer Tag. Morgen ist ein Tag weniger. Mit dieser Ernüchterung taucht die Frage nach dem Sinn des Lebens auf.

Ich gebe ehrlich zu, dass ich das früher fast belächelt habe. Wer Mitte 20 ist und Karriere machen will, versteht dieses Gerede vom Sinn oft nicht. Heute weiß ich, wie sich das anfühlt, und ich rechne selbst längst von hinten, vom Ende her. Die Frage ist nicht mehr ausschließlich: Was kostet die Welt und alles ist möglich. Irgendwann erkennst du, dass es eine Begrenzung gibt, irgendwo in der Zukunft. Und du denkst dir: Wieviel Zeit bleibt wohl noch und wie will ich sie verbringen?

Hier kannst du die Folge 224 als Youtube-Video anschauen:

 

Wenn der Körper Klartext spricht

Bei Torsten – wie bei den meisten – blieb es nicht beim Nachdenken. Er fing an zu leiden, wurde unzufrieden, schlief schlecht und suchte zuerst bei sich selbst nach dem Fehler, ob er vielleicht irgendwo falsch abgebogen war. Dazu kamen die ersten gesundheitlichen Zipperlein. 

Irgendwann saß er seiner Ärztin gegenüber, und die sagte ihm die ungeschminkte Wahrheit ins Gesicht: Wenn Sie so weitermachen, dann sitzen Sie in zwei bis drei Jahren nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt hier. Das saß.

So eine Entscheidung reift mit der Zeit und verdichtet sich durch mehrere Ereignisse – selten geradlinig. Bei Torsten dauerte es gut anderthalb Jahre, mit allem Auf und Ab, das dazugehört. Du kehrst zwischendurch zur Loyalität der Firma gegenüber zurück, redest dir ein, das nächste Projekt werde bestimmt wieder spannend, und lügst dir damit ein Stück weit in die eigene Tasche. Aber das Thema lässt dich nicht los, es kommt zurück wie ein Bumerang, bis der Punkt da ist, an dem du eine Entscheidung treffen musst, weil es dich sonst körperlich und seelisch fertigmacht.

Den letzten Anstoß gab bei ihm eine Umorganisation seines Arbeitgebers, bei der er für sich entschied, dass er das nicht mehr mitmacht. Er holte sich rechtliche Unterstützung und fand am Ende eine einvernehmliche Lösung mit seiner Firma, die ihm den Neustart ein Stück leichter gemacht hat.

 

Du willst mit 50 noch mal was ganz anderes machen, kannst aber nichts anderes?

Zurück zur leeren Kladde. „Ich kann ja nichts“ ist genau die Stelle, an der viele erst mal straucheln. Auch mir wurde angst und bange, als ich damals feststellte, dass ich nicht in mein altes Umfeld zurück wollte. Denn ich konnte ja nichts anderes. Das ist Quatsch. Was auch Torsten am stärksten gehemmt hat, waren nicht etwa die Marktbedingungen, sondern das fehlende Selbstbewusstsein. Nach 20 Jahren in einem Unternehmen fragst du dich ernsthaft, was du außerhalb dieser einen Firma eigentlich wert bist.

Sein erster Reflex war ganz konventionell und sehr typisch. Er hat nach einer neuen Anstellung gesucht und hatte sogar gute Angebote aus seinem Netzwerk. Doch dann spiegelte ihm jemand, was er insgeheim selbst wusste: Als Perfektionist würde er ganz schnell wieder im selben Hamsterrad landen. Also musste es etwas grundlegend anderes sein.

Den Schlüssel fand er, als er die Frage umgedreht hat. Statt zu fragen, was er alles nicht kann, fragte er sich, wofür ihn seine Arbeitgeber drei Jahrzehnte lang bezahlt hatten. Das waren Marketing und Vertrieb. Und da rief er sich selbst zur Räson: Wer Marketing und Vertrieb kann, kann auch sich selbst verkaufen und seine eigene Sache nach vorne bringen.

Und dann war da – was für ein Zufall 😉 – parallel seit Jahren schon etwas anderes entstanden, etwas, das ihn zurück zu seinen Wurzeln und zu einer echten Leidenschaft brachte. Das passiert bei beruflicher Neuorientierung in der Lebensmitte übrigens erstaunlich oft. 

Torsten hatte das Gärtnern schon als Kind von seinem Uropa in einer Zechensiedlung im Ruhrgebiet gelernt, auf einem richtigen Selbstversorger-Acker mit Kartoffeln und allem drum und dran. Das Thema hat ihn nie losgelassen, es war jahrelang nur sauber weggesperrt als reines Hobby. Und genau dieses Hobby wurde dann zum Beruf.

Wenn du also mit 50 noch mal was ganz anderes machen willst, dann fang bei dir selbst an, bevor du in eine Stellenanzeige schaust. Torsten rät dazu, sich die eigenen Stärken erst einmal bewusst zu machen, selbst, aber auch durch den Austausch mit anderen, über professionelle Hilfe, über ehrliche Gespräche in Familie und Freundeskreis, am besten alles davon. 

Frag dich, was dich bei deinen bisherigen Arbeitgebern ausgezeichnet hat, wofür sie dich überhaupt eingestellt und letzten Endes bezahlt haben. Da warst du nämlich erfolgreich, sonst hätten sie dich nicht so lange gehalten.

 

Wer mit 50 noch mal was ganz anderes machen will, sollte unperfekt starten

Jetzt kommt der Teil, der für meine perfektionistischen Kunden am schwierigsten ist. Torsten ist nicht mit einer fertigen Strategie gestartet. Sein Weg entstand eher zufällig – als sollte es so sein. 

Weil er sein Social Media Knowhow im Unternehmen nicht anwenden konnte, startete er eine Garten-Community – lange bevor er kündigte. Das war Hobby. Er wollte einfach mal was ausprobieren. Das fand so großen Anklang, dass Facebook auf ihn aufmerksam wurde und ihm eine Kooperation anbot. 

Bei seiner beruflichen Neuerfindung überlegte er unter anderem auch, ob sich aus diesem Hobby etwas machen ließe. So schrieb er einfach mal ein paar Unternehmen an und bot seine Community als Werbeplattform an. Und die Unternehmen buchten. 150 Euro für ein Wochenende, bezahlt über Paypal. Hemdsärmeliger geht es kaum. Und genau das ist der Weg. So merkte er, dass das wirklich funktionierte und professionalisierte das Ganze allmählich.

Genau an dieser Stelle hängen die meisten meiner Kunden fest. Sie wollen erst die perfekte, finale, durchdesignte Strategie, eine Webseite, das perfekte LinkedIn-Profil, das korrekte und natürlich rentable Angebot – alles soll stehen, bevor sie auch nur einen Schritt in die Realität unternehmen. Man will sich ja nicht blamieren.

Aber so funktioniert ein Karriere-Umbruch nicht und die Realisierung einer Geschäftsidee auch nicht. Das meiste entsteht erst auf dem Weg. Torstens Geschichte zeigt wunderbar, wie aus einem Hobby und einer Spielerei ein Business wird. Und das auch noch ausgerechnet mit einem Format, von dem ICH jedem Gründer abraten würde. Influencer werden mit über 50? Come on, sei realistisch. Und trotzdem hat es funktioniert.

Torstens hat noch einen super Tipp zum Thema Ausprobieren rausgehauen: Tu einfach mal so, als wäre es ein Praktikum, erst mal für vier Wochen. Du gehst los, schaust, wie es läuft, und entscheidest dann weiter. Und vielleicht geht es dir wie ihm, du merkst, dass es funktioniert, und genau diesen Flow nimmst du mit. 

Aus seiner Zeit mit japanischen Geschäftspartnern kennt Torsten das Prinzip dahinter, einfach anzufangen und dann immer weiter zu verbessern, statt auf den großen perfekten Start zu warten.

Und jetzt zu dem Einwand, der dir vielleicht gerade auf der Zunge liegt. „Der hatte bestimmt eine fette Abfindung, der hatte ein Polster, bei dem war das alles viel leichter als bei mir. Diese Stimme kenne ich gut, und sie führt dich nirgendwohin. Das ist schlicht und ergreifend irrelevant. Keine Situation ist mit einer anderen vergleichbar, also vergleiche nicht.

Einzig wichtig ist, dass Torsten trotz der inneren Überzeugung „ich kann ja nichts“ losging und anfing, ohne fertige Idee, ohne Sicherheitsnetz, mit dem ersten Schritt. Das kannst du auch. Jeder kann das. Die Ausrede kostet dich am Ende mehr als der Versuch, selbst wenn er scheitert und du „nur“ daraus lernst.

 

Der Weg entsteht im Gehen

Was mich an Torstens Geschichte am meisten freut, ist einmal mehr die Bestätigung: Du musst den ganzen Weg nicht vorher kennen, er entsteht im Gehen. Mit jeder Wegbiegung siehst du etwas Neues, du lernst Menschen kennen, die dich auf andere Ideen bringen, und du entdeckst Lebensentwürfe, von denen du vorher nichts wusstest. 

Genau deshalb ist ein Netzwerk so wertvoll, gerade mit über 50. Du kannst von anderen und mit anderen unglaublich viel lernen und dich weiterentwickeln, auch in einem Alter, in dem dir mancher das vielleicht nicht mehr zutraut.

 

Wenn du gerade an so einem Punkt stehst

Wenn du innerlich spürst, dass es so nicht weitergeht, und gleichzeitig der Gedanke „ich kann ja nichts“ jeden Schritt ausbremst. Wenn du dir insgeheim wünschst, mit 50 noch mal was ganz anderes zu machen, dich aber nicht traust. Dann brauchst du als Erstes vor allem eines, nämlich Klarheit darüber, was du jenseits deines Jobtitels eigentlich kannst und welche Wege realistisch zu dir passen.

Lass uns gerne telefonieren und deine individuelle Situation besprechen. Dann kann ich dir sagen, ob ich dir helfen kann.

Hier findest du meinen Terminkalender zur Vereinbarung eines Strategiegesprächs: https://sabinevotteler.youcanbook.me

Kostenloses Strategiegespräch Sabine Votteler

Und wenn du erstmal nur herausfinden willst, wo du im Vergleich zu anderen in einer ähnlichen Situation stehst, mach meinen kostenlosen Career Transition Test:

👉 https://sabinevotteler.com/berufliche-neuorientierung-test-start/

 

Du kannst Torsten hier finden:

 

Warum „Let’s talk about“?

Ich habe diese Interview-Reihe ins Leben gerufen, weil ich weiß, dass es eine ordentliche Portion Mut erfordert, beruflich neu anzufangen – egal ob in die Selbstständigkeit oder in einen ganz neuen Job. Und weil ich weiß, dass Vorbilder und Gleichgesinnte ein ganz wichtiger Schlüssel zum Erfolg sind.

Sie zeigen, dass es funktioniert. Dass nicht immer alles glattläuft. Dass Erfolg nicht über Nacht kommt. Dass jeder Hürden überwinden muss. 

Und sie erzählen, wie SIE es gemacht haben, mit all ihren Ängsten, Misserfolgen und ganz persönlichen Erfolgsrezepten.

Wenn sie es geschafft haben, dann schaffst du es auch!

 

Häufig gestellte Fragen

Sollte ich mit 50 noch mal was ganz anderes machen, obwohl mein Job eigentlich ganz ok ist?

Dass dein Job „ganz ok“ ist, spricht nicht dagegen. Oft ist es gerade dieses leise Nicht-mehr-richtig-dabei-Sein bei vollem Erfolg, das den Anstoß gibt. Torsten Brämer hat mit 53 genau das getan, raus aus fast 20 Jahren Management im Vertrieb, rein in eine Garten-Community, mit der er heute als Influencer sein Geld verdient. Entscheidend ist, dass du deine übertragbaren Fähigkeiten erkennst und sie auf ein neues Thema überträgst.

Ich habe das Gefühl, ich kann nichts anderes als meinen alten Beruf. Was kann ich tun?

Dieser Gedanke hält die meisten am stärksten zurück, und er stimmt fast nie. Meistens fehlt das Selbstbewusstsein, während die Fähigkeiten längst da sind. Frag dich, wofür dich deine Arbeitgeber jahrelang bezahlt haben. Diese Stärken sind an keinen Titel und keine Branche gebunden. Bei Torsten waren es Marketing und Vertrieb, und wer das kann, kann auch die eigene Sache nach vorne bringen.

Wie kann ich einen kompletten Neuanfang mit 50 perfekt planen?

Einen perfekten Plan wirst du nicht hinbekommen, und das ist die gute Nachricht. Torsten hatte keinen. Er ist mit dem Satz „ich kann ja nichts“ losgegangen, hat einfach ein paar Unternehmen über Facebook angeschrieben und seine erste Buchung über 150 Euro per PayPal abgewickelt. Das meiste entsteht erst auf dem Weg. Statt auf den perfekten Start zu warten, behandle die Sache wie ein Praktikum, erst mal für vier Wochen, und schau, was dabei rauskommt.

Wie erkenne ich meine Stärken nach über 20 Jahren in derselben Firma?

Die wenigsten sehen ihre eigenen Stärken klar, weil sie zu nah dran sind. Hol dir den Blick von außen, über ehrliche Gespräche mit Familie und Freunden und über professionelle Unterstützung, am besten beides. Die Leitfrage lautet: Wofür haben dich deine Arbeitgeber eingestellt und wofür wurdest du geschätzt? Genau da steckt das, worauf du aufbauen kannst.

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