Warum habe ich mich irgendwann so schlecht gefühlt? So unglücklich in meinem Job? So gelangweilt und gleichzeitig so gestresst. So unmotiviert und so überfordert. So zerfressen von Selbstzweifeln und so klein und manchmal fast unsichtbar. Trotz Top-Position in einem internationalen Unternehmen.

Wo war die selbstbewusste, entscheidungsfreudige Powerfrau geblieben? Die, die immer den Ton angab und die vor Ideen sprudelte? Die voranpreschte und ihr Team mitriss? Die, die tolle Ergebnisse erzielte und sich in der Anerkennung sonnte? Die Anerkennung und Wertschätzung, die mir irgendwann so sehr fehlte.

Unglücklich im Job – bist du auf den falschen Weg geraten?

Ich habe diese eine Abzweigung gefunden, die ich damals genommen habe, ohne zu ahnen, welche Konsequenzen das haben würde. Die, die alles ausgelöst hat und wegen der ich letztendlich unglücklich im Job wurde.

War sie falsch? Na, das kann man nicht mal so sagen, denn sie hat mich in vielen Bereichen weit vorangebracht. Hätte ich diese Abzweigung nicht genommen, dann wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Ich wäre in meiner fachlichen und persönlichen Entwicklung nicht so weit gekommen. Ich erspare mir Spekulationen, was sich sonst hätte ergeben können.

Wäre ich mir allerdings treu geblieben und hätte früher gewusst, was mir wirklich wichtig ist, dann hätte ich es vermutlich einfacher und mit weniger Frust geschafft.

Bist du dir selbst (noch) treu?

Ich erzähle dir jetzt mal die Geschichte von meinen ersten Jobs nach dem Studium. Und ich bin gespannt, ob du merkst, wo der Bruch war… also diese eine Abzweigung.

Mein Einstieg war in einem Versandhandelsunternehmen. Die Firma verkaufte als Vollsortimenter alles, was Kindergärten und andere soziale Einrichtungen benötigen und war der Branchenführer. Ich startete als stellvertretende Vertriebsleiterin. Meine Aufgaben waren vielfältig.

Ich hatte die Verantwortung für alle möglichen Marketingmaßnahmen. Das reichte vom dicken Katalog bis zur Kundenzeitschrift und zu den Messeauftritten.

Außerdem war ich für den Außendienst zuständig und für alle möglichen Aktionen und Veranstaltungen in diesem Zusammenhang.

Auch das Spielwarensortiment gehörte zu meinem Bereich. Das heißt, ich habe gemeinsam mit dem Einkauf die Produkte für den Spielwarenbereich geplant.

Ach, und fast vergessen: Nebenbei musste sämtliche Jobs in der Abteilung beherrschen, denn ich vertrat jede Kollegin im Urlaub. Eine ziemliche Herausforderung bis ich da überall 100%-ig durchgeblickt und v.a. unter den Argusaugen meiner älteren Kolleginnen bestanden habe. 😉

Wenn ich das jetzt so lese, dann war das einiges. Für einen Berufsanfänger… Aber genau diese Herausforderung, diese Vielfalt und die Kreativität, die ich dabei ausleben konnte – und man ließ mich auch – das war fantastisch. Ich habe viel gearbeitet und es geliebt!

Authentisch sein, deine Stärken nutzen, Erfolg haben, den Flow spüren – Machst du DEIN Ding?

In meiner nächsten Station in derselben Unternehmensgruppe hatte ich das unglaubliche Privileg, eine eigene Idee zum Leben zu bringen. Etwas, das in diesem Produktions- und Handelsunternehmen völlig neu war. Ich habe eine Event-Agentur aufgebaut und jahrelang geleitet.

Das war noch besser! Hier konnte ich schalten und walten, wie ich wollte. Keiner redete mir rein, denn es kannte sich sowieso keiner aus. Ich habe alles neu „erfunden“ und ich hatte Erfolg. Und die volle Unterstützung der Geschäftsleitung. Das war mein Ding. Ich hatte die Freiheit, das zu tun, was ich für richtig hielt. Und der Erfolg gab mir recht.

Ich bin regelrecht aufgeblüht. Habe sämtliche Strukturen und Prozesse von Grund auf aufgebaut, verrückte Konzepte entwickelt, tolle Mitarbeiter geführt. Ich konnte meine organisatorischen Fähigkeiten, meine menschlichen Stärken und meine Kreativität voll einbringen.

Vertrauen und Wertschätzung erfahren

Und dann? Kam das nächste Angebot. Man hatte mittlerweile so viel Vertrauen in mich, dass ich die Chance bekam, noch mal ein Unternehmen aufzubauen. Dieses Mal einen neuen Versand- und Onlinehandel. Toll!

Wieder bei Null begonnen. Dieses Mal durfte ich meine Kreativität unter anderem in der Entwicklung einer eigenen Modekollektion ausleben. Fantastische Umsätze erzielt, weit über den Erwartungen. Und mein Image im Unternehmen wurde immer besser.

Kleiner Wermutstropfen: Mein Gehalt stieg nicht im selben Maß. Hm… Nun ja, meine Einstellung war immer: Zuerst liefern und dann fordern. Also, so dachte ich, habe ich vielleicht einfach noch nicht genug geliefert. Deshalb weiter liefern.

Und ich sagte mir immer: Es macht ja auch Spaß! Was bringt mir viel Geld, wenn ich unglücklich im Job bin? Die berufliche Erfüllung und der Spaß waren mir wirklich viel wichtiger als das Gehalt. Was mir jedoch auch wichtig war, war die Wertschätzung und die drückte sich für mich schon auch im Gehalt aus.

Wie der „Zufall“ so wollte, lernte ich in dieser Zeit meinen neuen Lebenspartner kennen und der war Personaler in einem internationalen Unternehmen. Und der sagte ganz klar: Du verdienst zu wenig!

Und so fraß sich ganz allmählich dieser Stachel tiefer ins Fleisch. Du verdienst zu wenig.

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Chancen wahrnehmen – was sonst?

Bis dann ein Job-Angebot alle bisherigen Entbehrungen auf einmal kompensierte: Besserer Standort, schicker Titel und: super Gehalt.

Inhaltlich interessant, spannend auch, weil anspruchsvoller als vorher und das reizte mich ungemein. Die Thematik allerdings für mich wenig inspirierend. Keine aufregenden Events, kein niedliches Spielzeug, keine coole Fashion.

Es sprach zu viel dafür, Marketing ist Marketing, das Produkt ist doch egal. So meine einfache Denke. Das ist leicht gesagt und schnell falsch eingeschätzt, wenn man das „richtige“ Produkt vorher immer hatte.

Dennoch: Großartiges Team, spannendes Umfeld. Vieles habe ich zum ersten Mal gemacht. Viel gelernt. Viel bewegt. Viel gearbeitet – natürlich. 😉

Langeweile am Anfang, unglücklich im Job das Ergebnis

Nachdem ich „aufgeräumt“ hatte, Prozesse gerade gezogen und Strukturen etabliert wurde mir ein bisschen langweilig. Deshalb habe ich angefangen, neue Projekte zu starten, in denen ich meine Kreativität einbringen konnte und dabei nicht immer nur Unterstützung erfahren.

Ich war Teil eines Management-Teams, in dem ich zum ersten Mal mit „Politik“ konfrontiert wurde. Ich musste aufpassen, was ich wann wem gegenüber äußerte. Oha! Positiv ausgedrückt: Interessantes Learning…

Und wenn ich mich so zurückerinnere, dann spüre ich, dass hier das Grummeln im Bauch beginnt. Ab hier war’s nicht mehr mein Ding. Das weiß ich heute im Rückblick, damals konnte ich das noch lange nicht sehen.

Wenn du auf andere statt auf dich selbst hörst

Hast du bemerkt, wo ich mich selbst verloren habe?

Ich sag’s dir: In dem Moment, wo ich das Gehalt über meine Leidenschaft gestellt habe.

Was habe ich daraus gelernt? Ich weiß erst heute, so viele Jahre später, dass genau das der Knackpunkt war und ist. Zunächst dachte ich: Für mich.

Aber nein. Mittlerweile habe ich festgestellt: Für jeden!

Wenn die Leidenschaft verloren geht, wenn das, was du tust nicht mehr dem entspricht, was du magst und worin du gut bist, wenn du auf andere hörst statt auf dich, wenn du gegen deine eigenen Werte handelst, dann kannst du auf Dauer nicht erfolgreich und glücklich sein. Das sehe ich jeden Tag.

Auf jedem Weg gibt es wieder eine Abzweigung – beweg‘ dich!

Heißt das jetzt, nichts zu wagen? Nein, im Gegenteil. Ich hätte so vieles nicht erlebt und nicht gelernt und könnte heute nicht das tun, was ich tue und worauf mich genau diese Erfahrungen vorbereitet haben.

Jeder Fortschritt ist gut, auch wenn es am Ende nicht die richtige Richtung ist. Aber du musst dich bewegen. Wenn du dich nicht mehr bewegst, bist du tot.

Stehe nicht still, schon gar nicht, wenn du unglücklich im Job bist.

Und weißt du was? Egal, welche Abzweigung du nimmst, es kommt immer wieder eine Gelegenheit, den Kurs zu ändern. Es geht immer weiter. Das ist doch beruhigend, oder?

Meine Nachdenk-Fragen an dich, wenn du unglücklich im Job bist

  1. Wie entwickelst du dich weiter? Was tust du dafür? Traust du dich, auch mal eine unbekannte Abzweigung zu nehmen? Oder stehst du schon seit längerem auf der Stelle?
  2. Wie steht es um deine Leidenschaft im Beruf, im Leben? Siehst du einen Zusammenhang zu deiner Zufriedenheit und zu deinem Erfolg?
  3. Tust du das, was du selbst möchtest? Oder spürst du vielleicht auch dieses Grummeln im Bauch?

Ich wünsche dir viele Entwicklungsschritte und – daraus resultierend – viele Erkenntnisse. Und keine Ausreden, bitte. 😉 Die Zeit war nie günstiger und dein Leben hat dich – genauso wie mich – ideal auf den nächsten Schritt vorbereitet.

Was sind deine Erfahrungen aus deiner beruflichen Geschichte? Ich freue mich über deinen Kommentar!

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