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Karriere im Umbruch, wenn klassische Karriereberatung nichts ausrichten kann


Lebenslauf aktualisieren und schärfen, Bewerbungen verschicken, Netzwerk aktivieren, im Gespräch überzeugend auftreten, das sind die Werkzeuge, mit denen klassische Karriereberatung arbeitet. Und sie funktionieren für eine „normale“ Jobsuche. Bei einer Karriere im Umbruch springen sie zu kurz, weil oft das Ziel gar nicht wirklich klar ist, wohin die Person eigentlich will. Genau diese Frage entscheidet, ob aus einem Karriereumbruch ein zielführender Neuanfang wird, oder nur ein nächster Job.

Höre hier die Podcast-Episode:

 

Der entscheidende Unterschied lässt sich mit der Differenzierung zwischen Change und Transition erklären, die der amerikanische Forscher William Bridges geprägt hat. Change, so definiert er, ist die äußere, sichtbare Veränderung einer Situation, wie etwa der neue Titel, das neue Büro, der neue Vertrag. Bei einer sog. Transition hingegen muss ein innerer, psychologischer Prozess vollzogen werden. Und bei einer Karriere im Umbruch haben wir es mit Transition zu tun. Wie die beiden zusammenhängen, habe ich in meinem Artikel zur Karriere-Veränderung ausführlicher beschrieben.

Nicht bei jedem Wechsel ist dieser Unterschied relevant. Denn wer auf seiner alten Spur bleibt, eine bekannte Position bei einem neuen Arbeitgeber sucht, mit ähnlichen Aufgaben und einer ähnlichen Rolle, erlebt diesen Wechsel meist als normalen Change. Klar, auch dann muss man sich an das neue Umfeld gewöhnen, aber nicht an eine neue, eigene Identität. Klassische Karriereberatung reicht dafür völlig aus.

Anders sieht es allerdings aus, wenn jemand merkt, dass er das Alte gar nicht mehr will. Dass er womöglich nicht mehr der oder die Alte ist. Das ist keine gewöhnliche Karriereänderung mehr, das ist eine Transition, und genau deshalb greift normale Karriereberatung hier ins Leere.

Folge 231 als Video anschauen:

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Neuer Job und trotzdem unzufrieden, eines von vielen Anzeichen

Eine Kundin von mir hatte alles richtig gemacht. Der Lebenslauf war perfekt, das Netzwerk hatte seinen Zweck erfüllt und den Kontakt vermittelt, die Bewerbungsgespräche liefen super, sie bekam den Job. Und sie war sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Ein halbes Jahr später merkte sie, dass sie wieder am gleichen Punkt war wie vorher. Dasselbe in Grün. Derselbe Meeting-Wahnsinn, der gleiche Druck, dasselbe Gefühl, sich beweisen zu müssen, wieder Einschränkungen durch die Strukturen, Unternehmenspolitik, …

Hatte sie die falsche Entscheidung getroffen? Dabei war sie sich doch so sicher.

Kein Wunder, denn objektiv passte ja alles, das Gehalt, der Titel, der Aufgabenbereich, sogar die Leute. Sie war nicht angekommen. Das Neue passte nicht zu ihrem Inneren, das sich unbemerkt verändert hatte.

Wenn du gerade in genau dieser Situation steckst, dass du im neuen Job wieder unzufrieden bist und mit ganz praktischen Fragen weiterkommen willst, hab ich dazu einen eigenen Artikel geschrieben, der dir hilft, das für dich zu sortieren.

 

Wenn die Arbeit endlich Früchte trägt und du plötzlich vor einer grundlegenden Frage stehst

Ein anderer Kunde, Bereichsleiter, hatte acht zähe Monate Bewerbungsphase hinter sich mit viel Zeitaufwand und noch mehr Energie für die üblichen Aktivitäten. Vom Experten optimierter Lebenslauf, Coaching fürs Auftreten im Interview, systematische Reaktivierung seines Netzwerks, unfassbar viele Initiativbewerbungen. Dann endlich die ersehnte Zusage, aber die erwartete Erleichterung spürte er irgendwie nicht. Stattdessen meldete sich hartnäckig eine Frage in ihm, die in der Fokussierung auf den nächsten Job nicht an die Oberfläche gekommen war. Wollte er so einen Job überhaupt noch wirklich? Oder war er nur froh, dass die Suche vorbei war.

War er jetzt komplett verrückt? Aber er fühlte es einfach nicht.

Zwei unterschiedliche Situationen und das gleiche Muster. Die „äußere“ Aufgabe war gelöst, professionell, sauber, mit allem, was man so macht und was auch gute Karriereberatung leistet. Aber die eigentliche, innere Aufgabe hatten beide übersprungen.

 

Warum Karriere im Umbruch mehr braucht als klassische Karriereberatung

Klassische Karriereberatung ist auf den Change spezialisiert. Sie optimiert, was aus der Vergangenheit da ist, also den Lebenslauf mit den erzielten Ergebnissen, das Auftreten, die Argumentation in einem Gespräch. Das ist zweifelsfrei wichtig, und ich mache das auch, wenn ich mit Menschen arbeite, die einen neuen Job suchen. Aber erst wenn sicher ist, ob und was sie da tatsächlich suchen.

Denn ein auch noch so optimierter Lebenslauf beantwortet nicht die Frage, wer jemand nach dem Jobwechsel sein will, bei welchen Werten er keine Kompromisse mehr eingehen will, welche Fähigkeiten er unbedingt einsetzen möchte und welches Selbstbild jenseits der bisherigen Position für ihn noch funktioniert. Ist er überhaupt noch derjenige, der Verantwortung für Millionenbudgets tragen will? Ist Führungsverantwortung noch wirklich wichtig für ihn? Findet er dieselbe Branche immer noch spannend? Oder will er inzwischen etwas ganz anderes, hat sich nur bisher nicht getraut, das „laut zu denken“.

Genau hier unterscheidet sich eine Karrieretransition von einem normalen Wechsel und dem, was viele mit einer beruflichen Neuorientierung verbinden.

Die äußere Arbeit löst nur die Themen der äußeren Veränderung, die oft erst nach der inneren Arbeit Sinn machen.

 

Karriere im Umbruch, was jenseits der klassischen Karriereberatung zählt

Die Arbeit, die jetzt ansteht, ist weniger sichtbar und unbequemer als eine Lebenslauf-Optimierung. Klarheit darüber, was einem wirklich wichtig ist, jenseits von Gehalt und Titel. Ein Selbstbild, das nicht an der alten Position hängt. Und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, bevor man sich endgültig festlegt, im Kleinen zu testen, was passt, statt zu wechseln und zu hoffen, dass sich der Rest von selbst einspielt, so wie’s in der Vergangenheit immer war.

Viele Karrieren folgen lange dem gleichen Muster, mehr Verantwortung, mehr Einfluss, mehr Möglichkeiten, mehr Geld, mehr Status. Der Weg ist glasklar und wird, gerade bei Executives, Jahrzehnte nicht hinterfragt. Der jeweils nächste Schritt ist naheliegend und logisch, immer höher.

Aber irgendwann, meist im Alter um die 50, verändert sich die Frage von bisher „wie komme ich weiter?“ zu „will ich hier überhaupt noch weiter?“. So laut, dass man hinhört, wird die Frage oft erst, wenn man mit dem Rücken an der Wand steht und merkt, dass die alte Logik nicht weiterhilft.

 

Die alten Maßstäbe passen nicht mehr

Der bisherige Weg war deshalb nicht falsch, nur hat sich seitdem etwas in dir selbst weiterentwickelt, und die alten Maßstäbe für Erfolg passen nicht mehr automatisch.

Das ist sehr irritierend, weil es alles ist, was bis dahin zählte. Insbesondere für Menschen, die in verantwortungsvollen und fordernden Positionen sind oder bei denen der Job viel Raum einnimmt, ist er selten nur Einnahmequelle. Für viele ist er ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Sie definieren sich über ihre berufliche Rolle.

Die typischen Symptome eines Karriereumbruchs, das innere Chaos, das Feststecken, das Gefühl der Unzulänglichkeit, manchmal auch Scham, habe ich in einem anderen Blogartikel genauer beschrieben und vielleicht erklärt dir das, warum du dich gerade fühlst, wie du dich fühlst.

Sie sind kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Sie sind der Hinweis, dass die wirklich wichtige Arbeit noch nicht erledigt ist.

Gerade bei der derzeitigen Arbeitsmarktsituation und für Ü50er macht das einen Unterschied. Ein neuer Job ist nicht mehr so leicht zu bekommen wie vor einigen Jahren noch. Da war es nicht nur der normale, sondern auch der einfache Weg, die alte Spur weiterzugehen. Oft nicht wirklich zufriedenstellend, aber ja, das Leben ist halt kein Ponyhof und alles andere schien für viele zu weit weg, viel zu riskant.

Diese halbgare Notlösung gibt es jetzt für viele nicht mehr. Sehr unbequem, aber irgendwie auch ein Segen. Denn ob man will oder nicht, jetzt kann, muss, darf man tiefer gehen und sich fragen, was denn eigentlich noch eine andere Option wäre.

Genau an dieser Stelle setzt ESCAPE an, bei der inneren Arbeit, die kein Lebenslauf und kein Bewerbungstraining übernehmen kann. Am 21., 25. und 28.09.2026, jeweils ab 18 Uhr, arbeiten wir im kostenlosen Workshop an deiner Klarheit, deinem Selbstbild, deinen Optionen. Alle Infos dazu findest du hier: sabinevotteler.com/aktuell.

Wenn du lieber in einem persönlichen Gespräch herausfinden willst, wo du gerade stehst, vereinbare gerne ein kostenloses Strategiegespräch mit mir: sabinevotteler.youcanbook.me

 

FAQ

Warum bin ich im neuen Job schon wieder unzufrieden?

Weil ein Jobwechsel zunächst nur die äußere Situation löst. Du hast eine neue Position, einen Titel, ein Gehalt. Wie es dir damit geht, hängt davon ab, wer du selbst als Mensch bist und sein willst. Das wird meistens nicht hinterfragt und steht jetzt vielleicht als erstes an, bevor du dich erneut auf Jobsuche machst.

Möglicherweise brauchst du auch einfach noch etwas Zeit zum Ankommen, denn innerlich musst du dich auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Das passiert nicht schlagartig sobald du dein neues Büro bezogen hast.

Wie vermeide ich, dass ich beim Jobwechsel vom Regen in die Traufe komme?

Zuerst brauchst du Klarheit darüber, wer du bist und was du wirklich willst, sonst beurteilst du jedes Angebot nur auf der Logik deiner Vergangenheit. Im Bewerbungsprozess selbst helfen gezielte, unbequeme Fragen, gerade zu Werten, denn im Gespräch wird gerne groß von Werten gesprochen, ob sie im Alltag wirklich gelebt werden, merkst du aber oft erst, wenn du längst im Unternehmen angekommen bist. Ein Probearbeitstag, wenn er sich einrichten lässt, zeigt dir mehr als jedes noch so gute Gespräch.

Wieso finde ich kein Jobangebot interessant?

Meistens liegen die eigenen Kriterien noch nicht fest, oder sie verschieben sich gerade, und genau das macht jede Stellenanzeige unattraktiv, unabhängig vom Angebot am Markt. Wenn du innerlich schon spürst, dass du das Alte nicht mehr willst, ohne zu wissen, was stattdessen passt, wirkt automatisch jede Anzeige irgendwie falsch. Erst wenn du selbst wieder klarer siehst, was du suchst, wird auch erkennbar, welches Angebot tatsächlich zu dir passt.

Wie lange dauert es, bis man sich in einem neuen Job wirklich angekommen fühlt?

Das ist natürlich individuell verschieden und hängt weniger von der Zeit allein ab als davon, ob der Job zu dir passt. Hast du bei der Jobwahl darauf geachtet, dass nicht nur das ausgeschriebene Profil zu deiner Erfahrung passt, sondern auch deine inneren wichtigen Kriterien erfüllt sind? Werte, Interessen, Rahmenbedingungen, das sind elementare Punkte, die oft unter den Teppich gekehrt werden. Wenn die nicht übereinstimmen, kommst du möglicherweise nie an. Ein halbes Jahr solltest du dir aber in jedem Fall geben.

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