Hast du dir den Job ausgesucht, der deiner Berufung entspricht? Damals, als du deinen beruflichen Weg eingeschlagen hast, als du am Anfang deiner Karriere standst?

Wenn ich mir selbst diese Frage stelle, dann lautet die Antwort: Kommt drauf an, was du unter „Berufung“ verstehst.

Vor 30 Jahren als ich in den Beruf startete, war mir das Wort „Berufung“ sehr fremd. Wenn einer seine Berufung lebte, dann hieß das für mich, dass er halt einfach tat, was ihm Spaß machte, was er gut konnte, worin er aufging.

Und im Grunde ist es das ja. So war das auch bei mir.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ihr halbes Leben in einem Job zugebracht haben, den sie gar nicht mochten. Nicht zu denen, die einen Weg eingeschlagen haben, den andere für sie gewählt hatten.

Ich konnte das auswählen, wovon ich glaubte, dass es mir Spaß machen würde und das hat auch ziemlich gut hingehauen.

Der Karriere als Führungskraft entwachsen

Und trotzdem bin ich vor ein paar Jahren aus Corporate ausgestiegen, weil das nicht mein Leben war. Weil es keinen Spaß gemacht hat und weil ich nicht das tun konnte, worin ich am besten bin und nicht das leben konnte, was ich drauf hatte. Nicht mehr.

Wenn ich es näher betrachte, dann habe ich es eigentlich immer so gemacht: Wenn der Job keinen Spaß mehr gemacht hat, dann bin ich ausgestiegen und habe etwas anderes getan.

Also, no big deal.

Warum dann so ein Aufhebens beim Ausstieg aus dem Angestelltenjob?

Natürlich ist es etwas anderes, ob du dich konstant weiter entwickelst oder ob du einen grundlegenden Karriere-Wechsel machst, eine Transformation, die dein ganzes Leben beeinflusst.

Nun, als ich damals zum Studium wegzog oder als ich dann den ersten Job antrat, waren das auch Veränderungen, die mein ganzes Leben beeinflusst haben. Bei mir war jeder Jobwechsel mit einem Ortswechsel, einem Umzug, dem Aufbau eines neuen Bekanntenkreises, usw. verbunden.

Karriere-Transformation in der Lebensmitte ist etwas anderes

Für mich sind es nebst den anderen äußeren Umständen, wie Verpflichtungen, Verantwortung, etc. vor allem 2 Aspekte, die eine Karriereänderung in der Mitte des Lebens besonders einschneidend machen:

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  1. Du änderst nicht nur dein Leben, du änderst dein Ich. Du lernst dich von einer neuen Seite kennen. Das ist oft ein ziemlich radikaler Prozess, der dein Leben auf den Kopf stellt.
  2. Du hast das Ziel verloren, das du all die Jahre zuvor vor Augen hattest und das ist sehr verunsichernd. Verloren, weil erreicht.

Du hast das Gefühl, dass du alles gesehen hast, denkst, dass ab einem bestimmten Punkt in der Karriere nichts Besseres mehr kommt. In jungen Jahren ging es auf der Karriereleiter immer weiter nach oben. Doch einmal da angekommen, wo du hin wolltest, scheint der einzige Weg wieder runter zu gehen. Und auf diesen Weg trauen wir uns nicht.

Aber ganz ehrlich: Da oben rumstehen ohne irgendeine Option und stets der Gefahr ausgesetzt, dass dich einer runter schubst – ist es das, was du dir erträumst?

Karriere-Ziele erreicht – Motivation weg

Einmal oben angekommen, endlich geschafft, verlieren wir unsere Motivation, denn: Das Ziel ist erreicht und Stolz und Befriedigung halten meistens nicht lange an. Was soll jetzt schon noch kommen? Gerade du, die du so zielstrebig alles erreicht hast, was ist denn jetzt deine Motivation?

Es ist irritierend, auf einmal so orientierungslos zu sein. Es fühlt sich sinnlos an. Du fängst an, deinen eigenen „Sinn“, deinen Wertbeitrag in Frage zu stellen.

All das, was dich motiviert hat, was dich zu Höchstleistungen angespornt hat, was dir Erfüllung gegeben und dich auch schwierige Phasen durchstehen lassen hat – ist weg, weil erreicht!

Und obwohl es eigentlich absehbar wäre, überrascht es die meisten. Und im täglichen Trubel machst du zunächst weiter, suchst dir neue Aufgaben im alten Umfeld. Und manche in einem neuen. Das hilft kurzfristig, aber die Sinnfrage holt dich wieder ein.

Was will ich? Was kommt jetzt? Was ist mein nächstes Ziel?

Back to the roots. Jetzt geht’s nämlich ans Eingemachte. Wer bist du? Jetzt kommst du in die so unangenehme neutrale Zone,  irgendwo dazwischen. Der alten Karriere entwachsen und noch ohne Klarheit über die Alternative.

Der größte Vorteil einer Karriere-Transformation im mittleren Alter gegenüber all den Veränderungen vorher: Du bist bestens vorbereitet, auch wenn sich das alles andere als so anfühlt. Früher musstest du lernen, Erfahrung sammeln, deine Frau (oder deinen Mann) stehen, beweisen, dass du’s kannst.

Du hast alles, was du brauchst: Expertise und Erfahrung

Jetzt nicht mehr. Das ist alles da. In dir. Dein bisheriges Leben hat dich perfekt auf den nächsten Schritt vorbereitet. Was du jetzt kennen lernen musst ist v.a. deine Persönlichkeit, der du vermutlich in den letzten Jahrzehnten weniger Beachtung geschenkt hast.

Wenn der Weg nach oben also keine Option mehr ist, ist die Lösung „weiter unten“ zu finden? Das erfordert Umdenken. Das braucht neue Werte. Weg von Macht, Status und Geld. Weg von den großen Zahlen, weg von Einfluss. Kürzer treten ist für die meisten keine Alternative – wo bleibt denn da die Herausforderung?

Spannender erscheint da eine Selbstständigkeit. Und das ist noch mal eine ganz andere Nummer und gratis gibt’s dazu: die wirkungsvollste Art der Persönlichkeitsentwicklung.

Wenn du vorher vielleicht selbstständige Einzelkämpfer weniger wertgeschätzt hast als CEOs und dir ein solches Leben zu klein und unbedeutend vorkam, erkennst du jetzt bei näherer Betrachtung, was tatsächlich dazugehört. Die hohen Anforderungen, aber auch die vielen Vorzüge.

Jetzt geht es um deine Neuerfindung. In 2erlei Richtungen:

  1. Du musst deinen Sinn, oder treffender: deine Bestimmung, neu definieren.
  2. Du musst deine Expertise in einem neuen Zusammenhang verwerten, ich könnte auch sagen „wiederverwenden“. Zerlege sie in ihre Einzelteile, finde heraus, was du alles zu bieten hast und setze die Bausteine neu zusammen. Komponiere sie gemäß deiner neuen Bestimmung.

Und denke nicht, dass die Herausforderung kleiner ist als in deiner Führungsposition. Obwohl du viel mehr Qualifikationen für die Selbstständigkeit mitbringst als ein junger Gründer, erfordert es noch mal ganz anderes Know-how, Unternehmerin zu sein. Plötzlich gibt es keine Sekretärin mehr, die sich um deine Organisation kümmert, kein Team, das deine Strategien und Pläne umsetzt, keinen, der Verantwortung übernimmt, keinen Sparringspartner. Du allein bist zuständig. Und das kann manchmal überwältigend sein.

Aber wir lieben ja die Herausforderung, richtig!? 😉

Trotzdem war es die richtige Entscheidung, dass ich mir nach einigen Monaten Alleingang einen Coach zugelegt habe. Er ist ein wertvoller „Ersatz“ für die Kollegen, die auf einmal nicht mehr da waren. Und jetzt bin ich mittlerweile so weit, dass ich anfange, mein neues Team aufzubauen.

Mit wem sprichst du über deine Pläne und Herausforderungen?

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